Archiv | Mai, 2018

Die Lange Nacht der Musik

2 Mai

(c) @langenachtdermusik

2018 – Einmal im Jahr schließen sich über 100 Spielorte zur Langen Nacht der Musik zusammen: In der Münchner Innenstadt werden dann eine Vielzahl an Livekonzerten, Tanzdarbietungen, Kabarett und Führungen rund um das Thema Musik geboten. Natürlich ist es trotz der diversen Shuttlebus-Routen nicht möglich, alle Veranstaltungen zu besuchen. Wir haben uns deshalb auf zwei konzentriert…es lohnt sich aber auch, sich einfach durch die Münchner Musiknacht treiben zu lassen, um so viel wie möglich Musikalisches mitzunehmen.

GEMA – 20.00-20.45: Down&Out

Bild könnte enthalten: 1 Person, auf einer Bühne, spielt ein Musikinstrument, Gitarre und Innenbereich

Im hellen und freundlichen Foyer der GEMA eröffnen zwei sympathische Burschen vom Tegernsee den Abend mit ihrer Band Down&Out. Wer The Voice of Germany schaut, kennt die beiden. 2014 überzeugten sie in der Blind Audition Rea Garvey. Ein Highlight war damals das Battle mit dem Song „Wolke 7“. In der Musiknacht bieten die Musiker eine abwechslungsreiche, rockige Mischung aus eigenen englischen und deutschen sowie bekannten Cover-Songs. Das Einzigartige an Down&Out ist weniger die durchaus sehr gute Musik als vielmehr die wunderbar harmonierenden Stimmen von Dominik und Moritz.

Video

Alte Rotation – Pressehaus Münchner Merkur/tz – 20:00-01:30: Heimatkönig und Gil Ofarim

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tz und Rock Antenne kürten in der Alten Rotation den „Heimatkönig“. Am Bandwettbewerb nahmen zahlreiche Bands unterschiedlicher Genres teil. Die fünf Finalisten spielten ab 20 Uhr in der Location – zum Sieger wurden „Owing To The Rain“ gekürt. Mit in der Jury war auch Gil Ofarim, der als Hauptact des Abends dann um 00:15 mit seinem Konzert begann. Gil Ofarim rockt anderthalb Stunden durch die Nacht mit dem Repertoire seiner „20 Years Tour“, d. h. es gibt neue englische Songs von der aktuellen EP „20 years #1/4“, alte englische Songs vom Soloalbum „On my own“ sowie englische und deutsche Rocksongs von seinen ehemaligen Bands Zoo Army und ACHT. Das Publikum ist kein bisschen müde, sondern rockt begeistert mit. (ima)

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Eine Reise durch Westeros

2 Mai

2018 – NORDIRLAND – Belfast ist eine Reise wert – und dient zugleich als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. In dieser Hinsicht hat der Besucher das Glück, dass Nordirland nicht allzu groß ist und mit wunderschöner Landschaft, langer Küstenlinie und ganz besonderen Zielen aufwarten kann. Besonderer Tipp: Mal auf den Spuren des Fantasy-Epos „Game of Thrones“ wandeln. Aber Achtung: Spoileralarm für alle, die die Serie noch nicht ganz gesehen haben!

Eins steht bei der Buchung unserer Belfast-Reise gleich mal fest: Wenn schon Nordirland, dann wollen wir auch auf den Spuren der HBO-Serie „Game of Thrones“ wandeln. Das Epos wurde überwiegend in den „Titanic Studios“ in Belfast und in der schönen irischen Landschaft gedreht – ein „Best of“ dieses einmaligen Landstrichs, könnte man sagen.

Drei Touren stehen beim Top-Anbieter „Game of Thrones Tours“ zur Wahl. Wir entscheiden uns für die Tour zu den „Eiseninseln“. Und so starten wir an einem hochnebligen Morgen Mitte April um 8 Uhr mit dem Bus in unser Abenteuer. Mit uns fahren weitere Thronies, die aus aller Herren Länder angereist sind: China, England, USA, Frankreich… und natürlich unser Tourguide Thorn, der aussieht wie ein waschechter Wikinger (oder Wildling) mit seinem langen Bart und dem Zopf, der ihm über den seitlich kahlrasierten Schädel fällt. In der Tat: Thorn ist in seiner Freizeit Mitglied einer Wikinger-Living-History-Gruppe und wurde dank seines Aussehens auch prompt als Statist für „Game of Thrones“ angeheuert.

Zu unserem großen Glück entpuppt sich Thorn auch als eloquenter Guide, der uns auf der Fahrt mit kleinen Anekdoten aus der Welt des Films unterhält und nebenbei einige Geschichten aus Nordirlands Vergangenheit und Sagenwelt auf Lager hat. Es geht raus aus der Stadt und an der Küste entlang. Die Causeway Coastal Route gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Vorbei geht die Fahrt am imposanten Carrickfergus Castle, einer Burg im normannischen Baustil. Hier fand George Martin Gerüchten zufolge das Vorbild für das Geschlecht der Lannisters – ja, hier geht es schließlich um „Game of Thrones“! Auch „die Mauer“ ist kurz aus dem Busfenster zu sehen. Anhalten dürfen wir an dieser Stelle nicht, da sich in der Vergangenheit zu viele Auffahrunfälle durch Thronies ereignet haben.

Glencoy ist Braavos! Hier kletterte Arya nach einer Messerattacke wieder an Land.

Erster Stopp ist der malerische kleine Hafen Glencoy. Hier wurde die Szene gedreht, in der die Stark-Tochter Arya nach einer fiesen Messerattacke und anschließendem Fall ins Hafenbecken über eine kleine Natursteintreppe wieder an Land klettert. Drei Tage à sechs Stunden habe man die nur wenige Sekunden dauernde Szene gedreht, erfahren wir. Das arme Kind – selbst im Sommer weist der Nordatlantik hier trotz Golfstrom keine kuscheligen Temperaturen auf. Einige unserer Mitreisenden schießen lustige Selfies, dann geht die Fahrt weiter.

Der Eingang zur Cusheden Cave.

Nächster Stopp: Melisandres Höhle. Wir erinnern uns an die „Rote Priesterin“, die gerne auch mal ihr unbequeme Menschen abfackelt und schließlich den Top-Konkurrenten ihres Wunschkönigs Stannis Baratheon, nämlich dessen Bruder Renley, auf fiese Weise aus dem Weg schafft – mit Hilfe eines in eben dieser Höhle geborenen Schattenbabys. Bei Tageslicht wirkt die Höhle nicht wirklich furchteinflößend, aber imposant. Wellen klatschen wild zwischen den Felsen ans Ufer, und fast meint man, das Boot mit Sir Davos und Melisandre käme gleich um die Ecke gerudert. Unser Guide erzählt uns, dass die Gesteinsart der Höhle etwas ganz Besonderes sei – der Location Scout, der sie gefunden hat, wurde sicher dafür gelobt.

In schwindelerregender Höhe geht es über die Carrick-a-rede-rope-bridge.

Schon jetzt hat uns die spektakuläre Landschaft zwischen schroffen grünen Hügeln und atemberaubender Küstenlinie in ihren Bann geschlagen – eine Serie, die hier gedreht wird, muss ja zum Erfolg werden, ist quasi ein Selbstläufer. Doch es kommt noch besser: Die Carrick-a-Rede-Rope-Bridge naht! Wir wandern rund zehn Minuten an der Küste entlang bis zum Eingang zu der Seilbrücke, die ursprünglich von Fischern gespannt wurde, um zur vorgelagerten Insel – Carrick-a-Rede – zu gelangen. 20 Meter lang ist die solide wirkende Brücke, 30 Meter tief ist der Abgrund darunter, wo die Gischt durch die Felsen brodelt. Wider Erwarten macht es uns aber gar nichts aus, das Gebilde zu überqueren, im Gegenteil: Ich zumindest wäre gerne nochmal drübergelaufen und hätte mir die Sache gerne noch in Ruhe angeschaut. Die Seilbrücke in der HBO-Serie ist übrigens nur ein Nachbau, der im Studio stand, erfahren wir. Praktisch – sonst hätte man dieses Ausflugsziel während der Dreharbeiten wohl sperren müssen. Gleich auf der anderen Seite der Straße liegt übrigens Renleys Feldcamp, wo sich Brianne von Tart im Kampf gegen Renleys Lover Ser Loras beweist und erste Kontakte zu Catelyn Stark knüpft.

Willkommen auf den Eiseninseln: Ballintoy Harbour.

Immer wieder mal gesperrt wegen Filmaufnahmen wird die Gegend um den urwüchsigen, pittoresken Ballintoy Harbour, der sich ganz in der Nähe der Seilbrücke befindet. Hier landet Theon Graufreud bei seiner Rückkehr auf die Eiseninseln an und trifft auf seine Schwester Yara. Der Ort fährt alles an Charme-Offensive auf, was die nordirische Küste zu bieten hat: malerisches Hafenbecken, feiner Sandstrand, wilde Wellen, imposante Klippen… und als wäre das nicht genug, öffnen Thorn und Busfahrer Paul ihre „Zauberkisten“, die den ganzen Weg von Belfast im Gepäckraum des Busses mitgereist sind. Partytime! Jeder schnappt sich ein Kostüm und verwandelt sich in einen Eisenmann beziehungsweise eine Eisenfrau. Dazu gibt’s echte, wenn auch etwas rostige Schwerter und Flügeläxte.

Im Vorfeld wurde daheim in Deutschland heftig darüber diskutiert, ob man „diesen Hokuspokus“ mitmachen wird. Der Tenor: „Wir sind doch nicht bescheuert! Auf keinen Fall!“ Soweit die Theorie. In der Praxis reihen wir uns flugs ein, um ein passendes Kostüm zu ergattern. Die Männer prüfen mit grenzdebilem Lächeln im Gesicht ihre Waffen und beginnen schon mal mit den Showkämpfen. Unser Guide macht ein Gruppenbild, alle schreien: „Für Yara!“ Klar, wer will schon ein Anhänger des Fieslings Euron sein! Ich wende mich an Thorn und meine fast schon entschuldigend: „Ich komme mir vor wie ein Nerd.“ Der grinst nur. „Wenn Du hier bist, musst Du das einfach machen.“ So ist es. Mir doch wurscht, was andere denken! Hier macht jedenfalls jeder mit, und Zuschauer gibt es (zum Glück) keine.

fullerton-door

Tür Nummer sechs: den Drachen gewidmet.

Mittagspause. Wir kehren ein im „Fullerton Arms“. Dort hat man den Ansturm von 30 Buspassagieren schon erwartet – unser Guide hat das Essen nach Wahl vom Bus aus vorbestellt, und die freundlichen Bedienungen servieren das Essen im Handumdrehen. Die Qualität ist gut, und innerlich nimmt man sich schon vor, beim nächsten Nordirlandbesuch hier nochmals einzukehren. Beim nächsten Besuch? Ja, klar. Schon jetzt weiß man, dass man wiederkommt. Mit mehr Zeit im Gepäck, um all die schönen Fleckchen in Ruhe zu erkunden. Das „Fullerton Arms“ kann übrigens mit einer der zehn bekannten „Game of Thrones“-Türen aufwarten, die man in nordirischen Pubs verteilt findet. Die Geschichte dahinter: Im Januar 2016 fielen zwei Bäume der „Dark Hedges“, einem weiteren Drehort, dem Sturm „Gertrude“ zum Opfer. Aus dem Holz der Bäume wurden zehn Türen geschnitzt, die Motive aus der Serie zeigen. Tür Nummer sechs im „Fullerton Arms“ ist den Drachen gewidmet.

Unsere nächste Station hat ausnahmsweise nichts mit der Serie zu tun. Dennoch ist der „Giant’s Causeway“ ein Ort, den man einfach nicht auslässt, wenn man schon in der Gegend ist, finden die Veranstalter – zu Recht. Zwar haben wir nicht viel Zeit, doch für einen Spaziergang vom Visitor Center hinab zu der bizarren Gesteinsformation mit über 40.000 Basaltsäulen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Auch wenn Geologen das Phänomen auf schnell abkühlende Lava zurückführen – wir hören doch lieber die Sage des irischen Riesen Fionn, der sich mit dem schottischen Benandonner zoffte, woraufhin dieser den Causeway schuf, um trockenen Fußes übers Meer zu gelangen.

Mystisch trotz Asphalt und Touristen: die „Dark Hedges“.

Unsere Tour ist fast zu Ende. Doch ein Highlight erwartet uns noch: die „Dark Hedges“, die zwar nur einen kurzen, aber einprägsamen Auftritt in „Game of Thrones“ haben: Sie stellen ein Stück des Königswegs dar, der sich von Königsmund bis an die Mauer zieht. Die mystisch gewachsenen Alleebäume haben trotz des Asphalts auf dem Boden und den Touristen dennoch die gleiche Strahlkraft wie auf den zahlreichen Fotos, die von ihnen mittlerweile im Netz kursieren. Und Thorn erzählt uns nebenbei, dass er in der Szene, in der Arya nach der Ermordung ihres Vaters durch König Geoffry aus der Hauptstadt flüchten muss, auch zu sehen ist: als Bauer, der neben dem Weg auf dem Feld arbeitet.

Auf der Rückfahrt sind im Bus alle recht schweigsam. Die Eindrücke wirken nach, und die gute frische irische Luft macht wohl auch müde. Eins eint uns aber sicherlich: Der Trip durch Westeros, beziehungsweise sein Alter ego Nordirland, hat sich gelohnt. Und wird es wieder tun – der nächste Urlaub ist in Planung, und die Stadt lassen wir dann einfach außen vor. (bb)

Belfasts Aufbruch lohnt den Besuch

2 Mai

2018 – BELFAST – „Woher kommt Ihr“, will der Taxifahrer am Flughafen wissen. Deutschland? Super – „You will like the City!“ Die Belfaster seien freundlich zu fast jedem – außer zu den Engländern. Auch im zwanzigsten Jahr nach Ende des Bürgerkriegs sind die Gräben noch tief, die jahrzehntelange Feindschaft ins Land gezogen haben.

Wer nicht an der Oberfläche kratzt, kann sich jedoch unbeschwert durch die Stadt bewegen. Belfast beherrscht die Kunst, offensiv mit der eigenen blutigen Vergangenheit umzugehen: Zahlreiche Anbieter führen Touren zu den Brennpunkten der Stadt an. Shankhill, Falls, Sandy Row… Wandgemälde zeugen von altem Hass und Gewalt – und sind zugleich wunderschön. Offiziell sind die „Troubles“, die ab Ende der 60er-Jahre die Stadt zeichneten, vorbei. Doch Liebe ist aus dem Waffenstillstand zwischen Loyalisten und Republikanern noch lange nicht erwachsen.

Wandgemälde bei Kelly’s Cellars.

Zwei Welten – eine Stadt

So wie die politischen Gräben verlaufen auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen sorgloser Touristen-Tour und dem Kampf ums tägliche Überleben: Neben dem schicken Einkaufscenter am Victoria Square sitzt eine Jugendliche an die Mauer eines Hauses gekauert. Schmuddlige Kleidung, verlorener Blick. Eine Ausreißerin, auf der Suche nach einem besseren Leben in der großen Stadt? Nebenan shoppen die, deren Portemonnaie voll ist, sorglos schicke Kleidung, drücken sich übergewichtige Mädchen in schlecht sitzenden Leggins in Fastfood-Tempel, wo Burger nach amerikanischer Art angepriesen werden.

Protestanten und Katholiken, Arm und Reich, Sonne und Regen: Welcome to Belfast. Es ist eine Stadt zwischen viktorianischem Charme und irischer Gelassenheit. Ein idealer Ort für eine Städtereise für alle, denen London zu groß ist und die sich trotzdem nicht langweilen wollen. Das gelingt Nordirlands Hauptstadt spielend.

„Docklands“ und Titanic-Feeling

Hier wurde das wohl berühmteste Passagierschiff aller Zeiten gebaut – großer Jubel, große Katastrophe. Als der Frieden auf Belfasts Straßen einkehrte, begann die Stadt, touristische Konzepte zu entwickeln. Was lag näher, als den immer wiederkehrenden Hype um die 1912 gesunkene Titanic ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken?

Beeindruckend: Das interaktive Museum „Titanic Experience“.

Zum 100. Jahrtag der Katastrophe wurde 2012 ein modernes, interaktives Museum an den Docks errichtet, das seither Besucher aus aller Welt anzieht. Wer sich Zeit lässt, kann hier nicht nur etwas über das Schiff und seine Geschichte erfahren, sondern auch über die Entwicklung der nordirischen Hauptstadt, die einst Zentrum der Flachsverarbeitung war. Einen Spaziergang entfernt liegen das Pumphaus und Titanic-Dock, das einen Eindruck von der Größe des Schiffs vermittelt.

Direkt hinter dem Museum liegt der zweite Besuchermagnet Belfasts: In den Titanic-Studios wird das Fantasy-Epos „Game of Thrones“ gedreht. Längst bieten zahlreiche Anbieter Touren zu den Drehorten an, die in ganz Nordirland verstreut liegen. Das Konzept geht auf: Bis aus Nordamerika, Asien oder Australien reisen „Thronies“ an, um einmal das Schwert zu schwingen wie ihre Helden, um dort zu stehen, wo die Schauspieler ihre kunstblutigen Kämpfe ausfechten. Atemberaubende Landschaften, malerische Höhlen, Schlösser und Bäume liefern den Beweis, dass es für die Serie keine schönere Kulisse geben könnte als den rauen Nordzipfel der irischen Insel (siehe extra Artikel).

Bekannteste Produktion aus den „Titanic Studios“ in Belfast dürfte das Fantasy-Epos „Game of Thrones“ sein, dessen finale Staffel derzeit dort produziert wird.

Belfast hat für alle etwas zu bieten: für Frühaufsteher, für Nachtschwärmer, für Kunstbeflissene, für Menschen, die sich einfach nur durch die Stadt treiben lassen wollen.

Zeitgeschichte spannend erzählt

Und sollte das Wetter einmal nicht so gut sein (was in Nordirland eher die Regel als die Ausnahme sein könnte), drängt sich ein Besuch im Ulster-Museum geradezu auf: Eintritt frei! Auf mehreren, verschachtelt angeordneten Stockwerken kann man hier der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Belfasts und Nordirlands nachspüren – und darüber hinaus. Das reicht von riesigen Saurierskeletten über eine echte ägyptische Mumie, Kunst und ausgestopfte Tiere bis hin zum rund 77 Meter langen Wandteppich, der die Geschichte des Fantasy-Epos „Game of Thrones“ in handgewebten Bildern erzählt.

Im Ulster-Museum kann man mehr über die Hintergründe und Folgen der „Troubles“ erfahren.

Beeindruckend ist die Abteilung, die sich mit den „Troubles“ beschäftigt und anhand von Einzelschicksalen das ganze Elend des Bürgerkriegs verdeutlicht und persönlich macht. Wer die Ausstellung in Ruhe erkundet, versteht, warum es noch viele Jahre dauern wird, bis die Menschen in diesem Land die blutigen Zeiten verarbeitet haben werden. Das Museum liegt im Botanischen Garten der Stadt und ist umgeben von blühenden Gartenanlagen.

Quasi in direkter Nachbarschaft liegt das „Palm House“, in dessen tropischen Temperaturen exotische Pflanzen gedeihen und schon im frühen April Narzissen, Osterglocken und weitere Frühlingsblumen einen betörenden Duft verströmen. „Mummy, it smells so good“, ruft denn auch ein kleines Mädchen beim Betreten des imposanten Baus. Erst im April nach einer gründlichen Renovierung wiedereröffnet hat die „Tropische Schlucht“ („Tropical Ravine“), ein Gebäude, unterteilt in eine tropische und eine subtropische Zone. Hier gibt es einen Wasserfall, man kann probeschnuppern an Gefäßen mit Kakao oder Kaffee – ein Fest für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Bei Sonnenschein laden Parkbänke und Rasenflächen in der Gartenanlage zum Spazierengehen und Verweilen ein,

Belfasts grüne Lunge: die Botanic Gardens mit dem Palmhaus aus dem 19. Jahrhundert.

und mit etwas Glück bekommt man die grauen Eichhörnchen zu Gesicht, die an den großen alten Bäumen auf- und abflitzen.

Unterwegs im „London Cab“

In Belfast gibt es keine U- oder S-Bahn. Dafür ist das Busnetz sehr gut ausgebaut, allerdings muss man meist umsteigen, wenn man in ein anderes Stadtviertel will. Wer Zeit hat, geht zu Fuß – und wer’s bequem will, leistet sich eine Fahrt mit einem der rund 1000 Taxis in der Stadt. Entweder man bestellt sich telefonisch eins bei einer der größeren Gesellschaften („Value Cabs“/“Fonacab“), oder man steigt in eins der an mehreren Stellen in der Stadt geparkten „London Cabs“, die berühmten schwarzen City-Taxis aus der britischen Hauptstadt, die während der „Troubles“ dafür sorgten, dass der öffentliche Verkehr in Belfast überhaupt aufrecht erhalten werden konnte. Mittlerweile sind einige dieser Autos in bunten Farben bemalt, sodass sie sich vom englischen Vorbild quasi emanzipiert haben. Taxifahren ist günstig, vor allem, wenn sich vier oder fünf Personen eins teilen (für umgerechnet rund zehn Euro kommt man meist durch die Stadt) und macht Spaß, denn die Fahrer sind auskunftsfreudig und geben gerne auch gute Tipps, was man unternehmen kann.

Pub-Besuch ist fast schon Pflicht

Das betrifft auch die Abendgestaltung. „Go to Kelly’s Cellars„, empfiehlt ein gut gelaunter alter Ire und verspricht Livemusik und tolle Atmosphäre. Der Pub, einer der ältesten in Belfast, hält das Versprochene. Von außen unspektakulär in der Nachbarschaft des modernen „Castle Court“-Einkaufscenters gelegen, entpuppt er sich im Innern als urige Location mit schweren dunklen Holztischen und einer Decken-Deko aus Pfannen und Töpfen. Dazu gibt’s irische Folkmusik, wahlweise aus Lautsprechern oder live, je nach dem Zeitpunkt des Besuchs.

Guter Tipp für einen Pub-Besuch: „Kelly’s Cellars“ bietet original irisches Ambiente.

Ebenfalls einen Abstecher wert ist der „Crown Liquor Saloon“ in der Nähe der Großen Oper. Dieser Pub erstrahlt nach einer Renovierung durch den „National Trust“ in den 80er-Jahren in neuem viktorianischen Glanz. Hier gibt es sogenannte „Snugs“, abgetrennte Sitzabteile, in die man sich zurückziehen kann.

Belfast blüht auf, und die Stadt – nein, ganz Nordirland – hat es verdient. Die Zeiger sind in Richtung Zukunft gerichtet, die Touristen kommen, und sie dürften nicht enttäuscht sein. Nun fehlt nur noch eine bessere Anbindung durch Direktflüge aus Deutschland. Hier fehlt es noch; die Anreise muss entweder mittels Umsteigeverbindung über Großbritannien oder Amsterdam erfolgen oder via Flug nach Dublin, von wo aus es dann mit Bus, Bahn oder Leihwagen weiter geht. Wer dies in Kauf nimmt, wird belohnt mit einer unverbrauchten, Besuchern offen stehenden Stadt. (bb)

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