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Menorca macht süchtig

11 Jun

MenorcaWillkommen in den 70ern. Das könnte das Motto Menorcas sein. Der überwiegende Teil der Urlauber hier sind Briten, dazu kommen Deutsche, Spanier und Italiener. Aber die Briten haben die Insel geprägt – und leider auch das Essen. Allererste Sahne hingegen ist die grandiose Natur, die Erholungssuchende auf dem Eiland vorfinden.

Vier Tage Menorca – reicht das, um die zweitgrößte Insel der Balearen kennenzulernen? Die Antwort lautet: nein. Zum Glück. Denn Menorca macht süchtig, und wer noch nicht alles gesehen hat, hat einen Grund, wiederzukommen. Doch der Reihe nach…

zufahrtVom dösigen Inselflughafen Mahon geht es im Mietwagen hinaus auf Menorcas Straßen. Das Ziel heißt Punta Prima und liegt im äußersten Südosten der Insel. Der Ort hat seinen Namen aufgrund der Tatsache erhalten, dass hier die Sonne als erstes in ganz Spanien aufgeht. Dem Touristen, der das erste Mal in diese Gegend kommt, geht hingegen schlicht und einfach das Herz auf, wenn er über die letzte Hügelkuppe fährt und das verschlafene Nest vor sich liegen sieht – in der Ferne lockt azurblaues Wasser, auf dem weiße Segelboote wie auf einem impressionistischen Gemälde arrangiert sind. Vorgelagert ist auch die „Ille des Aires“, die Insel der Winde. Hier leben sehr seltene schwarze Salamander; das Naturschutzgebiet darf nur mit dem Kanu angefahren werden.

100_2026Das Xaloc Playa ist ein Hotel, das quasi in Pole Position zum Strand liegt. Nur eine kleine Anliegerstraße trennt das Grundstück von weißem Karibikstrand und in unterschiedlichen Blautönen schillerndem, glasklarem Wasser. Die Anlage selbst ist kreisförmig um den großen Garten mit Pool, Minigolfanlage und Billard angelegt. Alles scheint in der Hitze des Tages zu schlafen; mühsam drehen sich die Körper der Hotelgäste auf den Sonnenliegen am Pool.

Prima Punta. Manche würden sagen: Hier ist der Hund begraben. Andere sagen: Das ist das Paradies. Traumstrand vor der Haustür, trotz Hitzewelle und Wochenende niemals überlaufen, Wasser karibisch glasklar, Sand puderzuckerweiß. In diesem Ort gibt es keine Zigaretten. Wer Tabakwaren will, muss nach Saint Lluis fahren, das ist rund 6 km entfernt. Auch am Strand müssen Raucher aufpassen – es gibt ein Gestell mit eistütenförmigen Plastikbehältern, die Raucher mit an den Strand nehmen müssen, um Asche und Kippen reinzuschmeißen. So bleibt der Strand wunderbar sauber.

Den Hang hinauf ziehen sich verschlafen die weißen Häuser; Hauptattraktion des Orts ist der alle paar Tage stattfindende „Markt“ mit Hippie-Schmuck, Pareos und Lederwaren. Fünf Stände, 50 Meter – das war’s. Idylle pur. Bis 21 Uhr. Dann quäkt im Touri-Bunker 50 Meter vom Xaloc Playa entfernt der DJ-Chef-Animateur zur Kinderdisco und dem anschließenden Stimmungsabend mit Bumm-Bumm-Musik und nervigem Gekreische los. Das geht allabendlich bis 23 oder 23.30 Uhr; trotz Ausrichtung zum Innenhof hat man keine Chance, dem Ganzen zu entkommen.

sonnenaufgang-klein6.15 Uhr. Sonnenaufgang. Zumindest einmal sollte man ihn erleben, den ersten Strahl des Himmelsgestirns in ganz Spanien. Langsam schiebt sich die blutrote Sonne über die Ostspitze der Bucht und taucht alles in ein warmes Licht. Der Spaziergang in der milden Morgendämmerung führt am Strand entlang und durch die Straßen zum alten Wehrturm hinauf. Dort sitzen ein paar Teenager und unterhalten sich – offenbar haben sie da oben übernachtet. Das hügelige Hinterland ist dicht mit Bäumen bewachsen; noch schläft der Ort.

11401395_917145521675162_6449939872592325240_nDoch was ist mit dem Plan, Menorca entdecken zu wollen? Wer am Puderzuckerstrand kleben bleibt, sieht definitiv zu wenig von der Insel. Der erste Ausflug führt zu einem kleinen Dorf namens „Binibeca Vell„. Die Siedlung am Hafen wurde vor wenigen Jahren neu erbaut. Der oder die Architekten haben den Stil einem alten Fischerdorf nachempfunden; es ist alles verwinkelt, eng, steil und ungewöhnlich. Das komplette Dorf ist in reinem Weiß gehalten und strahlt vor dem azurblauen Meer ganz wunderbar aus weiter Ferne.

In Binibeca gibt es um diese Jahreszeit auch frisch geschlüpfte Landschildkröten, die wir in einem großen Freigehege mit ein wenig Aufmerksamkeit beim Fressen beobachten können. In einem Restaurant an der Strecke nach Punta Prima halten wir, um ein paar Tapas zu essen. Unser Pech: Es ist ein Fischrestaurant, und der sprachgewandte Kellner kommt erst einmal mit einem riesigen Teller voller frisch gefangener Fische an unseren Tisch, erläutert uns die Sorten und äußert Empfehlungen. Wir entscheiden uns dennoch für einen Salat… Doch einige Leute an den Nebentischen bestellen Frisches aus dem Meer – und das riecht selbst für Veggies sehr lecker nach Knoblauch und Kräutern. Fazit: Wenn jemals doch Fisch, dann hier. Die Qualität hat allerdings auch ihren Preis – selbst beim Salat!

es-grau1Es Grau heißt das große Naturschutzgebiet an der Ostküste oberhalb von Menorcas Hauptstadt Mahon oder Maó. Die Insel ist voller Naturreservate; hier wird darauf geachtet, die Fehler und Bausünden der Nachbarn von Mallorca nicht zu begehen. Vom breiten Sandstrand von Es Grau wandern wir durch ein weitläufiges Gebiet über sonnige Wege, schattige Wäldchen, über lange Holzstege und vorbei an fliegenden Fischen hinauf zu einem wunderbaren Aussichtspunkt mit Blick über Lagunen und Seen. Kakteen mit mehreren Metern Höhe säumen unseren Weg. Zur Belohnung beschließen wir die Wanderung am fast menschenleeren Strand von Es Grau – kristallklares Wasser, sanft abfallender Sandstrand, warmes Wasser…

Am Samstag um 9 Uhr morgens beginnt der große Markt in der menorquinischen Hauptstadt Mahon. Als wir gegen halb zehn in der Tiefgarage direkt am großen Platz ankommen, steht da nur ein Auto außer uns! Auf Nachfrage erklärt die Kassiererin, dass die Leute wohl erst bis in einer Stunde eintrudeln werden… gut für uns! Menorca macht seinem Ruf als ruhige Insel wieder mal alle Ehre. Auf dem Markt gibt es vor allem flippige Hippie-Klamotten, Keramik und Schmuck.

11061963_917145948341786_3786180551707095576_nLetzter Tag der Reise. Nach dem Auschecken aus dem Hotel bleibt noch viel Zeit, mit der „Knutschkugel“, also unserem roten Fiat 500, zwei weitere wunderschöne Flecken zu entdecken. Zunächst auf zu den „Cales Coves„. Hier haben prähistorische Siedler Höhlen in den Fels über der Bucht geschlagen, um ihre Toten zu bestatten. Tausende Jahre später, in den 90ern, kamen dann Späthippies, die die Höhlen besetzten und dort wohnten, bis sie wieder vertrieben und die meisten Behausungen verschlossen wurden. Einige kann man noch besichtigen.

cales2Der Weg zu den Cales Coves führt zunächst über eine enge Straße, dann rund 20 Minuten zu Fuß einen Feldweg durch Gebüsch, Feigenbäume und Schilf hinab zu einer malerischen Bucht, die ein bisschen an Leonardo die Caprios „The Beach“ erinnert. Das Wasser schimmert in allen Blauschattierungen, der Rücken des in der Sonne bratenden Engländers auf einem Felsen am Rand in allen Rottönen. Ruhe, Magie und der Wunsch, es den Hippies gleichzutun und eine Weile hier zu bleiben, machen sich breit. Schnell das Oberteil runter und ins Wasser gesprungen! Wir kommen wieder…

Last Stop. Von den Cales Coves kommend, haben wir erstmal Hunger – es ist schon fast zwei Uhr mittags. Wir lassen uns die Nebenstraßen entlang treiben, bis wir ein Schild Richtung „Es Canutelles“ sehen. Der Blick in den Reiseführer offenbart, dass dort die Einwohner des im Inland gelegenen Dorfes „Saint Climent“ zum Baden gehen. Hört sich gut an – dort gibt es bestimmt auch noch ein Restaurant, das nicht auf Pommes und Bakes Beans spezialisiert ist…

cantuelles2Richtig geraten. Die zweigeteilte Bucht von Es Canutelles ist wunderbar: Zur Linken liegen Boote und ein kleiner Steinstrand, das Wasser ist fast unglaublich hell- bis dunkelblau. Zur Rechten liegt ein extrem flach abfallender Sandstrand, an dem sich Gänse und fast keine Menschen tummeln. Dazwischen, auf der Anhöhe gelegen, hat sich eine Bar angesiedelt, in der wir endlich Tapas bekommen! Während Oliven, Calamares, Pimientos al Padron, Oliven, Brot mit Tomatenpüree und Gazpacho serviert werden, genießen wir den Blick aufs Wasser. Möwen ziehen kreischend ihre Bahnen.

11392796_917145871675127_7080784196338952156_nNach dem Essen wandern wir zur Sandbucht hinab. Hier wird geschnorchelt! Ein im Sand vergrabenes halbes Ruderboot, zahlreiche Seegurken, Seeigel, ein Seestern und Fische von ganz winzig bis mittelgroß tummeln sich im klaren Wasser.

Draußen kommen neue Besucher. Vier junge Frauen im Wanderoutfit lassen sich im Sand nieder, entkleiden sich vollständig und waten durchs seichte Wasser. Vermutlich werden sie vom Restaurant aus fleißig beobachtet. Wir brechen auf. Die Nackten sind wieder aus dem Wasser entstiegen und sitzen in der prallen Sonne. Wir hingegen haben einen Sonnenschirm zu verschenken und halten an, um die jungen Frauen zu fragen, ob sie Bedarf haben.

Die Freude ist groß. Während wir wieder die Kuppe hinaufsteigen, drehen wir uns um. Eine der Nackten versucht, den Schirm in den harten Sandboden zu rammen. Ihr Strandtag liegt noch vor ihnen. Wir hingegen müssen zurück. Zum Flughafen, an Steinkreisen vorbei, zurück nach Deutschland, wo die Temperaturen in der Nacht zum Montag fallen. Auf Menorca hingegen bleibt es warm. Wir kommen wieder – irgendwann… (bb)

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Die schönste Art, sein Herz zu verlieren

25 Mrz
Bild: Dummy_Sanchez-209.jpg

(c) Thiele Verlag

Unsere Buchexpertin Susanne hat für Euch das Buch „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ von Mamen Sánchez gelesen und stellt es euch hier vor:

Die spanische Kulturzeitschrift „Librarte“ soll neben Beiträgen aus der spanischen Kunstszene vor allem hymnische Besprechungen auf die Veröffentlichungen des Verlages „Craftsman & Co.“ publizieren. Allein zu diesem Zweck hat Marlow Craftsman, Inhaber des englischen Traditionshauses, das kleine Redaktionsbüro in Madrid eröffnet und die Literaturwissenschaftlerin Berta als zuverlässige Chefredakteurin eingestellt. Doch die Dinge laufen ganz und gar nicht nach Wunsch, und weil der mächtige Patriarch mit dem Heft keine weiteren Verluste einfahren will, beschließt er, die Herausgabe umgehend einzustellen. Er schickt seinen Sohn Atticus nach Madrid, um diese leidige Angelegenheit abzuwickeln und die fünf Mitarbeiterinnen, möglichst ohne Abfindung, zu entlassen.

Berta ist am Boden zerstört und fassungslos. Sie und ihre vier Kolleginnen Asunción, Maria, Gabriela und Soléa stecken seit fünf Jahren nicht nur all ihr fachliches Können und ihr Herzblut in diese Zeitschrift, sondern haben auch immer korrekt und, wie sie glauben, wirtschaftlich gearbeitet. Die fünf Frauen sind dabei zu echten Freundinnen geworden, für die die Redaktion ihr zweites Zuhause bedeutet, und sie sind nicht bereit, diesen Verlust und ihren drohenden finanziellen Ruin widerstandslos hinzunehmen. Also muss der Erbe des Medien-Tycoons unbedingt vom Wert ihrer Arbeit überzeugt werden, damit er seinen Vater umstimmen kann. Mit einem Trick lockt die attraktive Soléa den unbedarften, leichtgläubigen und freundlichen Atticus in ihre Heimatstadt Granada, wo er ihr, ihrer temperamentvollen Familie und dem Zauber der andalusischen Gitarrenkunst mit Haut und Haaren verfällt und bald keinerlei Drang mehr verspürt, in sein altes Leben zurückzukehren.

Erst kurz vor Weihnachten fällt seinen Eltern auf, wie lange sie nichts mehr von ihrem zweitältesten Sohn gehört haben und sie beginnen sich wegen seines spurlosen Verschwindens Sorgen zu machen. Marlow und Moira Craftsman, Prototypen des englisch-aristokratischen Snobs, reisen in die spanische Hauptstadt und schalten Inspektor Alonso Jandalillo ein. Leider hat der kauzige Madrider Polizist, der sich nach seinem Vorbild Don Quixote kurz und knackig „Manchego“ nennen lässt, die unselige Gabe, jeden Sachverhalt total zu verkomplizieren und jedes Indiz gründlich misszudeuten, was seiner Jugendfreundin Berta und ihrem Team wiederum sehr gelegen kommt.

Dass zu guter Letzt‘ doch noch ein wirklicher Betrug aufgeklärt und ein gefährlicher Schurke dingfest gemacht werden kann, ist der perfekten Zusammenarbeit der klugen Chefredakteurin Berta und dem furcht- und oft kopflosen Manchego zu verdanken.

Mamen Sánchez ist ein amüsant-amouröser Roman gelungen, in dem unterkühlte Briten auf feurige Spanier treffen. Natürlich resultieren daraus zwangsläufig einige Klischees, die jedoch das Lesevergnügen in keiner Weise trüben.

Auf dem beigefügten Lesezeichen warnt der Verlag: „Vorsicht! Dieser Roman könnte sich sehr negativ auf Ihre pessimistische Lebenseinstellung auswirken, zu plötzlichen Lachattacken führen und süchtig machen. Achten Sie auf Ihr Herz: Sie könnten den akuten Drang verspüren, sich zu verlieben. Und zu leben!“

Verführerischer kann man ein Buch kaum anpreisen, und auch ich wünsche ein frühlingsleichtes Lesevergnügen und empfehle dringend, während der Lektüre sowohl spanischen Rotwein als auch englischen Earl-Grey-Tee im Haus zu haben. Über das Eintreten der möglichen Nebenwirkungen hülle ich mich allerdings in Schweigen. (sst)

Thiele-Verlag 2015, ISBN 978-3-85179-287-4, 20 €

Mallorca in vier Tagen – nix wie weg vom Ballermann

9 Nov

Vier Tage Mallorca im Oktober – wir sind Ersttäter und haben keine rechte Ahnung, was da auf uns zukommt. Nur eines wissen wir mit Sicherheit: Wir wollen möglichst weit weg von Ballermann und Konsorten. Urlaubsorte wie Palma, Cala Ratjada oder die Bucht von Pollenca sparen wir daher gleich mal aus – zu viele Hotels, zu viele Touristen.

Colónia de St Jordi heißt unser Ziel auf der Balearen-Insel. Ganz im Süden, mit offenen, wilden Stränden. Unser Hotel liegt auf einer Felsklippe, mit Badesteg ins Meer. Doch der Reihe nach… Nach der Landung in Palma geht es mit dem Mietwagen eine knappe Dreiviertelstunde durchs Land. Wir sind überrascht: „Malle“ bietet jetzt, am Ende der Saison, angenehm leere Straßen, relativ viel Grün und viele zauberhafte kleine Windmühlen. „Hübsch“, denken wir – so gar nicht das, was wir erwartet hatten. Auch in Colónia scheinen die Uhren anders zu ticken, etwas langsamer – trotz der vielen Hotels und Ferien-Appartements. Keine Massen an Menschen, selbst der eigentlich überlaufene Traumstrand Es Trens, den wir am ersten Tag besuchen, ist lange nicht so voll wie erwartet. Das Wasser: kristallklar und fast karibikfarben bei 25 Grad. Die Luft: mit 28 Grad hochsommerwarm. Was will man mehr?

Nun ja, man will die Insel sehen, sie kennenlernen, ihr nachspüren. Mit dem Auto geht’s zum 20 Kilometer entfernten Cap de Ses Salines. Hier, am äußersten Südzipfel der Insel, branden die Wellen unterhalb des Leuchtturms temperamentvoll an die Felsen. Kleine Steine wurden zu Türmchen aufgeschichtet – wer hat das gemacht, und vor allem: warum? Über einen Küstenpfad wandern wir eine halbe Stunde in der morgendlichen Hitze bis zum Platja Es Caragol, dem Schneckenstrand. Außer uns ist nur noch eine Familie in der langgezogenen Sandbucht zu sehen. Wellen umspülen unsere Füße, und bald schon wagen wir uns hinein ins wunderbare Nass. Im Verlauf der nächsten Stunden trudeln noch 20, 30 Leute ein – hierher kommt nur, wer nicht zu faul zum Wandern ist. Die einen baden in Textil, die anderen nackt. Wen stört’s? Platz ist genug; der Nebenmann ist 20 Meter entfernt…

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Es Trens, Es Caragol… Wir brauchen Abwechslung. Am nächsten Tag geht es eine Stunde Richtung Norden bis nach Manacor und von dort weiter Richtung Küste nach Porto Christo. Dort begeben wir uns unter Tage, in die Cueva Drach, die Drachenhöhle. Hier verzaubern Tausende und Abertausende Tropfsteine in allen Größen die Besucher. Am Ende der halbstündigen Begehung auf bequemen Pfaden wartet ein ganz besonderes Spektakel auf uns: An einem unterirdischen Salzsee schweben beleuchtete Ruderboote durch das Dunkel. Auf einem musiziert ein vierköpfiges Orchester Klassik, und rund zehn Minuten später wird es langsam hell. Kitsch as Kitsch can – und ganz einfach wundervoll!

An der Ostküste entlang trudeln wir wieder abwärts in den Süden. Eine „Cala“ wechselt sich hier mit der nächsten ab. Die hübschen Buchten haben oft Sandstrände, manchmal auch nur Felsen zu bieten – immer jedoch sind sie einen Besuch wert. Wir haben das Glück, uns zu verfahren: Statt in der Cala Llombarts landen wir an einer Treppe, die auf 120 Stufen hinab zur Cala Almunia führt – ein Paradies, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Am Ende der Treppe liegt zur Rechten ein winziger Sandstrand, „dekoriert“ mit einigen kleinen, teils kaputten Ruderbooten und leider auch etwas Plastikmüll. Dennoch ist die Sandbucht hübsch. Der Knaller indes liegt auf der linken Seite: Eine pittoreske Ansammlung alter Fischerhäuschen – kunterbunt gemischter Baustil, mehrere kleine Bootsslips und ein Fotograf, der gerade nackte Schönheiten vor einer roten Sandsteinwand ablichtet. Sorry, Ihr Hübschen: Der Ort, an dem Ihr fotografiert werdet, ist noch tausendmal schöner als Ihr…

Die Cala Almunia, eine der letzten unbewirtschafteten Buchten an der Ostseite Mallorcas.

Die Cala Almunia, eine der letzten unbewirtschafteten Buchten an der Ostseite Mallorcas.

Über schlüpfrige Steine gelangt man hier in atemberaubend klares Wasser, denn ein Großteil der Bucht verfügt über hellen Sandboden. Neugierige kleine Fische begleiten uns beim Schnorcheln, und eigentlich will man gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Doch damit ist unsere Entdeckungsreise noch nicht zu Ende: Auf der anderen Seite des Hügels, hinter den Fischerhäuschen, gelangt man über einen Trampelpfad zur Calos des Moro. Das komplette Gelände wurde von einer einheimischen Familie liebevoll bepflanzt und gepflegt, so dass ein kleines Naturparadies entstanden ist. Der Bau eines Hotels wurde erfolgreich verhindert; die verheerenden Schäden eines Flächenbrands sind nicht mehr zu sehen.

Die Calos des Moro… Es geht wieder bergab, steil und ungleichmäßig sind die Naturstufen, die zu der Bucht führen, die zugleich winzig und bombastisch ist. Riesige Felsblöcke liegen auf dem weißen Sand; die Wellen branden auch hier mit Wucht auf die begrenzte Liegefläche. An ruhigen Tagen ist der Strand wohl doppelt so groß, doch heute, an einem Tag Mitte Oktober, drängen sich die rund 20 Gäste zwischen den Steinen zusammen. Rundherum wird die Bucht flankiert von imposanten roten Steinwänden und Höhlen, in der sich die Brandung bricht.

Reines Badevergnügen der ruhigen Art hingegen bietet die Cala Murada, die zu beiden Seiten von kleinen Reihenhäuschen flankiert wird, die sich in die Landschaft einfügen. Für ein paar Euro gibt es an der Strandbar leckere Tapas, gebratene Pimientos und kühle Getränke, und wer will, kann sich einen der wenigen Sonnenschirme mieten, um gefahrlos den Tag verdösen zu können.

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Etwas quirliger geht es zu in der Cala Figuera. Hier können sich Wagemutige von Felsplateaus ins Meer stürzen – wer darauf keine Lust hat, bummelt in die Bucht hinein und bewundert die zahlreichen Segel- und Motorboote, die dort vor Anker liegen. Im Restaurant „Es Port“ hoch über dem Wasser kann man nicht nur lecker speisen, sondern hat auch einen wunderbaren Blick über die ein- und ausfahrenden Schiffe. Tapas, weiße Sangria und leckerer Salat, dazu ein Panorama aus tiefblauem Wasser und weißen Booten. Zu unseren Füßen streicht eine schwarze Katze umher; sie ist wohlgenährt. Zum Glück, denn auf unseren Tellern findet sich weder Fleisch noch Fisch.

Vier Tage Mallorca im Oktober – und sie gehen irgendwie viel zu schnell vorbei. Fehlen noch die Souvenirs. Wir kaufen Salz aus den Salinen im Süden, versetzt mit wunderbar duftenden Kräutern und Knoblauch, und Orangenmarmelade aus Soller. Wieder daheim im herbstlichen Deutschland, holen wir und dann den spanischen Sommer zurück – mit Tapas und einer guten Flasche Rotwein aus dem Süden. Bis zum nächsten Mal, Du schöne Baleareninsel. (bb)

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