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Buchempfehlung: The Hate U Give

15 Jun

41LSXYItV-L._SY346_2020 – Nachdem uns Corona einen kräftigen Strich durch den Konzertkalender gemacht hat, bleibt wieder mehr Zeit für Bücher. Gerade habe ich auf Empfehlung unserer Bücherspezialistin den bereits im Juli 2017 erschienenen Jugendroman „The Hate U Give“ von Angie Thomas gelesen – eine spannende Geschichte mit aktuellem politischen Hintergrund.

Klappentext: Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen.

»Hochaktuell und sprachgewaltig wird hier gegen Rassismus angeschrieben!«, Deutschlandradio Kultur

»Ein Kompaktkurs der rassistischen Strukturen des Lebens im Amerika unserer Zeit.«, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Roman – leider aktueller denn je – ist die Vorlage  zum gleichnamigen Kinofilm von 2019 mit Amandla Stenberg (Trailer).  ima

„Game of Thrones“, Staffel 8: Bitte zurücklehnen und entspannen!

15 Mai

ACHTUNG! SPOILER!
Text enthält Inhalte der Staffel 8 von „Game of Thrones“!

2019 – Die Kultserie „Game of Thrones“ steht kurz vor der finalen Staffel, und die Fanschaft scheint durchzudrehen. „Schlechteste Staffel aller Zeiten“ hört man, „mieser Plot“ oder „unglaubwürdig, unrealistisch“.

Äääh… Moment… Wir reden über eine Fantasy-Serie! Die muss doch wohl nicht immer glaubwürdig sein? Schließlich gibt es Drachen, Schattenwölfe, Gesichtslose und Wiedererweckte. Und da regen sich die Fans tatsächlich darüber auf, dass die Truppenverlagerungen von Nord nach Süd etwas schneller vonstatten gehen als in früheren Staffeln – geschenkt!

Und dann: Enttäuschung über das „Endgame“ mit dem Nachtkönig. Enttäuschung über die Charakterentwicklung einiger Darsteller. Enttäuschung über dies, über das und überhaupt über alles und jeden.

Ganz ehrlich: Diese Staffel scheitert an den Ansprüchen, die die Fans an sie hatten. Denn die Seriengucker hatten immerhin rund zwei Jahre Zeit, um sich selbst das „perfekte Ende“ auszumalen. Wie, bitteschön, sollen es die Drehbuchschreiber schaffen, das unter einen Hut zu kriegen? Da ist die grob vorgegebene Storyline durch den „Erfinder“ des GoT-Universums, George R.R. Martin. Die dürfte – zumindest für die Hauptcharaktere – eine feste Linie vorgeben. Dann der Anspruch der Fans, die sich natürlich schon längst auf einen bestimmten „König“ oder eine „Königin“ (oder die Kombination aus beidem) versteift hatten – und dennoch überrascht werden wollen.

Da fragt man sich: Ja, wie denn? Kann doch nicht funktionieren! Auch ich finde viele Handlungsstränge nicht unbedingt so hip, wie ich mir erhofft hatte. Hätte mir spritzigere Dialoge gewünscht und so manche Figur besser ausgebaut (Saubermann Jon Schnee alias Aegon Targaryen zum Beispiel ist zum pseudobetroffenen Kriegsbeobachter mit Tanten-Trauma verkommen, der allenfalls drei Sätze am Stück sagen darf, ohne wirklich eine Meinung dabei zu äußern; die Wandlung der Drachenkönigin von „Sprengerin der Ketten“ zur übergeschnappten Killer-Queen wurde zwar seit Staffel 7 angedeutet, hätte aber deutlicher ausgearbeitet werden sollen; die Rück-Verwandlung Jamie Lennisters in den tumben, Cersei hörigen Arrogantling war nicht gerade nachvollziehbar).

Trotzdem: Leute, legt die Ansprüche beiseite. Ganz ehrlich: Langweilig war diese Serie in allen acht Staffeln keine einzige Minute lang. Die beiden großen Schlachten waren (wenn auch strategisch haarsträubend aufgestellt) ganz großes Kino. Es gibt wunderbare Making Ofs, die einen Einblick geben in die Welt der Produktion und verdeutlichen, was für eine Arbeit und Kreativität hinter alldem stecken. Die Serie ist einfach gut und hat Maßstäbe gesetzt im Genre Fantasy-Verfilmung, die vorerst vermutlich nicht getoppt werden können.

Also, bitte: Lehnt Euch zurück, entspannt und genießt einfach die Show. Lasst Euch überraschen, wie’s ausgehen wird. Denn nach Folge fünf ist klar: Alles ist offen… (bb)

Warum Donald Trump es geschafft hat, Präsident zu werden

11 Nov

Donald Trump ist Präsident der USA. Daran gibt es nichts zu rütteln, außer der Gewinner selbst klagt gegen die Wahl – das hatte Trump im Vorfeld ja schon angekündigt. Nun wird das wohl nicht nötig sein, und mit dem Unternehmer steht jetzt der wohl unberechenbarste Präsident aller Zeiten an der Spitze der USA. Da es sich um eine demokratische Wahl handelt, muss man das Ergebnis – wenn auch zähneknirschend – akzeptieren: Das Volk hat gesprochen, das Volk hat Trump gewählt. Doch warum?

Während Trumps Anhänger ihn frenetisch feiern, verharrt gerade Europa in einer Art Schockstarre. Hierzulande hat der Typ mit der großen Klappe und den unbequemen, rassistischen Ansichten nicht allzu viele Freunde. Man sieht das telegene Machtspiel der beiden Kandidaten mit einem Abstand, der vor Ort oft verloren geht im allgemeinen Sog der Wahlkampfphase.

Aber warum haben die Leute überhaupt Donald Trump gewählt, und sind wir Europäer und der ganze Rest der Welt dazu wirklich klüger? Was ist mit den Le Pens, den Erdogans, den Meuthens und Petrys auf der anderen Seite des Atlantiks? Was passiert in den arabischen Ländern, wo der IS auf dem Vormarsch ist?

Weltweit scheint es einen Trend zu geben, der rückwärts gerichtet ist. Klimaerwärmung, Probleme durch die Globalisierung, eine immer schnelllebigere Gesellschaft und unsichere Zukunftsperspektiven prägen das Leben im dritten Jahrtausend. Der Mensch ist rastlos geworden und hat sich auf seinem Weg durch die Anforderungen der Zeit verirrt. Nun scheint er zu versuchen, sich durch die Rückbesinnung auf Traditionen, auf das, was einst als „stark“ und „zuverlässig“ galt, ein Stück der verlorenen Sicherheit zurückzugewinnen.

Die Fakten des heutigen Lebens sind offenbar zu hart, die Herausforderungen zu groß, der Mensch als solches zu oberflächlich, um sich damit ernsthaft auseinandersetzen zu wollen. Es ist einfacher, Parolen via Social Networks zu verbreiten und Pseudowahrheiten zu glauben, als an der Ursache des Problems zu arbeiten. Und das ist der Punkt, an dem die Trumps, die Meuthens, die Erdogans dieser Welt einhaken. Sie wissen: Der Bürger ist demokratiemüde, eingelullt von vermeintlicher Sicherheit und zugleich frustriert über einen immer umfangreicheren Verwaltungsapparat, über eine Selbstbedienungsindustrie.

Selektives Lesen erschwert neutrale und nüchterne Betrachtungen. Wer sich nur im Netz informiert, erhält die Schlagworte der Demagogen statt des Überblicks. Und so formt sich ein Bild vom Zustand der Gesellschaft, das Menschen wie Trump heraufbeschwören: polarisierend, irrational, voller Lügen und Bedrohungen.

Es ist einfacher, jemanden zu wählen, der offen gegen dieses System spricht, das angeblich korrupt ist und das zugleich vom Bürger fordert, sich selbst einzusetzen. Auffällig ist, dass diese „retrograden Revoluzzer“ gerne angebliche Missstände (und auch tatsächliche) an den Pranger stellen, selten jedoch praktikable (oder menschenwürdige) Alternativen bieten.

Darum geht es ihnen jedoch auch nicht. Es geht ihnen um Macht. Eben jene Macht, die sie doch eigentlich verdammen. Mit Donald Trump hat es nun ein Mann an die Spitze der USA geschafft, der genau durch die politischen und gesellschaftlichen Zustände so erfolgreich geworden ist, die er nun anprangert.

Insofern haben die Wähler mit ihrer Entscheidung für Trump ihren eigenen Protest gegen die Schwächen des Systems ad absurdum geführt. Das sollte jedoch nicht von der Tatsache ablenken, dass es weltweit eine Art Politikverdrossenheit gibt, und diese sollte die Politiker der sogenannten etablierten Parteien wachrütteln. Demokratie muss wieder wachmachen, sie muss handeln, sie muss direkter und transparenter werden – damit Demagogen keine Chance haben. (bb)

In Zeiten des Live-Journalismus…

23 Jul

…wünsche ich mir die „guten alten Zeiten“ der Tatsachen-Berichterstattung zurück.

Ja, ich hatte auch den Fernseher laufen gestern Abend – nicht zuletzt, weil es um einen Anschlag in meiner Stadt, in München, ging. Aber ehrlich gesagt, war ich entsetzt über die völlig konfuse Berichterstattung um der Berichterstattung willen – egal ob auf öffentlich-rechtlichen oder privaten Kanälen. Klar wünsche ich mir möglichst zeitnah Informationen darüber was passiert ist. Aber solange niemand wirklich sicher etwas weiß, kann ich auf die stundenlange Verbreitung von Mutmaßungen, Spekulationen und Gerüchten gerne verzichten.

Informationspflicht der Medien – schön und gut, aber bitte Besinnung auf Tatsachen-Berichterstattung. Es würde meiner Meinung nach völlig genügen, zu berichten DASS und WO etwas passiert ist, man aber noch keine weiteren Erkenntnisse hat, da der Polizeieinsatz noch im Gange ist. Sobald es neue Informationen aus gesicherten Quellen gibt –sprich von der Polizei – kann und sollte man die Öffentlichkeit erneut informieren.

Wunschdenken meinerseits – ich weiß. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Will ich auch in den meisten Fällen nicht, und ich möchte auch nicht auf die modernen Medien oder eine Berichterstattung verzichten. Aber man sollte sich vielleicht mal drauf besinnen, dass man nicht immer und überall alles verbreiten muss. Übrigens hat es nichts mit Zensur zu tun, wenn man nicht alles ungefiltert in die Welt hinaus posaunt. Die viel zitierte Pressefreiheit wird nicht dadurch eingeschränkt, dass man sich an Fakten hält.

Meine Erkenntnis daraus ist, dass ich mir künftig die Freiheit nehme, mich nicht von der Nachrichtenflut überrollen zu lassen, sondern lieber mal abschalte und später den Polizeibericht lese oder mir die Pressekonferenzen ansehe.

Nach neuesten Erkenntnissen hat sich der Amok-Täter schon länger mit solchen Taten beschäftigt und wohl auch identifiziert. Amokläufer wollen immer größtmögliche Aufmerksamkeit. Wenn in so einem Fall die Berichterstattung dermaßen überzogen wird wie gestern, dann liefert man möglichen Nachahmern noch mehr Anreize.

Übrigens finde ich es auch völlig unerheblich, welcher Nationalität oder Religion ein Täter angehört, ob es sich um Terror oder einen Amoklauf handelt…was passiert ist, gestern in München und davor in anderen Städten und Ländern, ist schrecklich – vor allem für die Toten und deren Hinterbliebene sowie für die Verletzten und deren Angehörige! (ima)

Die Journeys des Jim Kroft

20 Feb
(c) Copyright Jim Kroft

(c) Copyright Jim Kroft

Jim Kroft, schottischer Singer/Songwriter, Fotograf und Filmemacher mit Wohnsitz in Berlin begann 2014 mit seinen außergewöhnlichen JOURNEYS, die ihn bisher nach China, Ostafrika und Russland führten. Immer im Gepäck seine Gitarre, seine Kamera, seine Neugier und Offenheit für die Begegnung mit Menschen. Das Resultat dieser Reisen ist in zwei EPs und zwei Filmen dokumentiert: Journeys #1 und Journeys #2. Journeys #3 soll bald folgen.

Stand bei den Journeys bisher hauptsächlich die Musik im Fokus, so sind es auf der aktuellen, sehr besonderen Reise vor allem die Menschen – Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Zerstörung und Verfolgung alles hinter sich lassen, um ängstlich, erschöpft aber letztendlich auch glücklich, es geschafft zu haben, in Booten an den Stränden der griechischen Insel Lesbos ankommen.

Mit seinem Freund und Fotografen Bastian Fischer hat sich Jim Kroft Mitte Februar in einem gelben Kleinbus auf Journey #4 begeben, eine Reise auf den Spuren der Refugees – siehe Bericht auf „Nothing but Hope and Passion“. Dieses Mal ist die Gitarre zwar auch mit im Gepäck, aber es geht Kroft bei dieser Reise darum, sich „mit den eigenen Augen ein Bild von der Situation der Flüchtlinge und der Helfer zu machen“.

Täglich geben Kroft und Fischer auf Instagram und Facebook mit Fotos und herzzerreißenden Berichten Einblicke in die Arbeit der freiwilligen Helfer, aber vor allem in die Situation und die Herzen der Menschen, die hoffen, bei uns in Europa endlich zur Ruhe zu kommen. Einblicke, die man so über die Medien ganz sicher nicht bekommt. (ima)

Wir sind tief beeindruckt…schaut und lest selbst:

Instagram Jim Kroft

Facebook Jim Kroft

Facebook Bastian Fischer Photography

Homepage Jim Kroft

 

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