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CD-Tipp der Woche: Emma6 – Bei „Passen“ passt alles

18 Aug

Diese Jungs sind heiß. Genauer gesagt: Ihre Musik ist heiß. Emma6, so der ungewöhnliche Name des Trios, haben dieser Tage ihr zweites Album mit dem schönen Namen „Passen“ auf den Markt geworfen, und was soll man sagen – da passt alles!

Vor einigen Wochen schon haben wir die erste Single des Albums vorgestellt, „Wie es nie war“. Der Ohrwurm ließ aufhorchen und machte Lust auf mehr. Doch es ist so eine Sache mit großen Erwartungen, denn oftmals werden sie auch enttäuscht. Da folgen dann platte Alben auf verheißungsvolle Singles. Anders bei Emma6: Mit „Passen“ ist den Musikern zumindest musikalisch der große Wurf gelungen. Ehrliche, teils etwas kryptische Texte, eingängige Melodien, ein abwechslungsreiches Spektrum aus einfühlsamen Balladen und Uptempo-Muntermachern rund um das Thema „Beziehungen“, die passen oder eben auch nicht, sorgen dafür, dass einem das Anhören niemals langweilig wird.

Wer Lust auf gute deutsche handgemachte Musik hat, sollte sich die Hörproben bei Amazon & Co. auf die Ohren geben. Vielleicht kann er dann ja irgendwann genau das von sich behaupten, was die Band so herrlich selbstironisch in dem Titel „Ich hab die Band zuerst gekannt“ besingt. Obwohl… neee, wir bei Mosaicpunkt waren doch die ersten, oder?

Spaß beiseite: Auf alle Fälle haben sich Emma6 schon Unterstützung aus dem Promi-Lager gesichert. Via Facebook haben es Dick Brave & the Backbeats auf den Punkt gebracht: Great Guys, Great Music, Great Album! Die Anzahl der Facebook-Follower steigt von Tag zu Tag, genauso wie der Verkaufsrang des Albums. Aktuell steht der MP3-Download bei Amazon schon auf Platz 4. Also nix wie ran an die Kopfhörer.

Homepage der Band (mit Tourdaten):

http://www.emma6.de/

Fünf Tage Biergartenfest

12 Jul
Foto: soul-dressing.com

Foto: soul-dressing.com

Das Biergartenfest in Paffenhofen a. d. Ilm steht von Beginn an für einen Treffpunkt zum Ratschen und Brotzeit machen. Als „Volksfest vor dem Volksfest“ wurde es schon bezeichnet.
Es hat sich aber auch einen Namen gemacht für sein Musikprogramm, das heuer wieder sieben Kapellen an fünf Festtagen präsentiert. Die Musikanten kommen aus der Holledau, aus Niederbayern und der Oberpfalz und sie spielen allesamt stromlos – ganz wie „anno dazumal“. Das 3. Pfaffenhofener Biergartenfest findet dieses Jahr vom 14. bis 18. August auf dem Stockerhof statt – bei jeder Witterung und bei freiem Eintritt!

Das Festgelände beim Stockerhof bietet mit Freigelände, Remise und Stadel weit über 1.000 schattige und wenn nötig auch wettergeschützte Plätze. Auf dem Programm stehen Wirtshausmusik, Tanzlmusik und neue bayerische Klänge. Zusätzliche Vergnügungen bieten ein Kinder-Karussell, eine 16 Meter lange traditionelle Holzkegelbahn, Musikfrühschoppen, ein Schafkopfturnier und am Wochenende ein Kinderspielepark auf den benachbarten Stockerwiesen.

Gäste aus der Umgebung kommen am einfachsten mit dem Zug zum Pfaffenhofener Biergartenfest. Das Festgelände liegt unmittelbar gegenüber dem Bahnhof Pfaffenhofen/Ilm, somit nur 3 Gehminuten vom Bahnsteig zur frischen Maß und zünftigen Brotzeit.  (vs)

Weitere Einzelheiten zum Programm und Öffnungszeiten auf der Biergartenfest-Homepage. Und alle Neuigkeiten gibt es auch auf Facebook.

Festivalzeit: Zeltfestival Ruhr

25 Jun
© ZFR / Ingo Otto

© ZFR / Ingo Otto

17 Tage Erlebniswelt – jeden Tag ein Highlight-Programm. 2008 aus der Taufe gehoben, ist das Zeltfestival Ruhr schon jetzt eines der etabliertesten Festivals in Nordrhein-Westfalen. Vom 16. August bis 1. September bietet die Zeltstadt am Kemnader See Bochum eine imposante Erlebniswelt und ein täglich wechselndes, außergewöhnliches Programm für Konzertgänger, Comedy- und Kabarett-Fans, Kunstinteressierte oder auch Biergartenfreunde und Feinschmecker. Im Vordergrund stehen drei große Eventzelte und über 40 Gastspiele und Konzerte.

Schon mehr als 20.000 Konzertkarten wurden bisher verkauft und so sind die Veranstalter zuversichtlich mit Cro, Bosse, The Gaslight Anthem, Funk-Queen Sharon Jones, Frida Gold, Fanta4 (unplugged), Roger Hodgson (Supertramp),  Söhne Mannheims, Selig, Silbermond, Joe Cocker, Deichkind, Frank Goosen, La Brass Banda oder auch Kaya Yanar und Ingo Appelt – um nur einige der Künstler zu nennen – auch 2013 an den Erfolg der vergangenen Jahre anzuknüpfen.

Von Anfang an dabei und auch im sechsten Jahr live auf der Bühne des ZFR ist Pamela Falcon. Mit Percival brachte sie im letzten Jahr 4.000 Fans in den Ausnahmezustand, das Stimmwunder-Duett überzeugte zuvor bei „The Voice of Germany“ eine ganze Nation. Jetzt kehrt Pamela am 27. August zurück. Die in New York geborene Wahl-Bochumerin bekommt dabei Unterstützung von einer Auswahl hochkarätiger Sänger und Musiker, die in Kürze bekannt gegeben werden.

Tickets sind an bekannten Vorverkaufsstellen oder unter der Tickethotline: 0180.500 42 22 erhältlich!

Wo die Schildkröte zum Abschied winkt: Abtauchen und Schnorcheln in Marsa Alam

30 Mai

Weg aus der eisigen Kälte des missratenen deutschen Frühjahrs, mitten rein in die Hitze Ägyptens. Unser Ziel, die Coraya Bay, liegt zwar am Meer, doch direkt hinter dem Hotel fängt die Wüste an, mit malerischen Bergen am Horizont. Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad erwarten uns, dazu ein lebhafter Wind vom Meer her, der die Hitze erträglich macht.

Nasser Al-Kharafi sei Dank. Hat der 2011 verstorbene Unternehmer aus Kuweit doch dafür gesorgt, dass man ruckzuck von Stuttgart in das südliche Ägypten gelangen kann: Vor rund zwölf Jahren baute die Firma Al-Kharafis zwischen den am Roten Meer gelegenen Orten El-Quesir und Marsa Alam einen Flughafen, der für einen schnelleren Transfer von Touristen in die Region sorgen soll. Über den Airport Marsa Alam geht es stressfrei in den Urlaub. Obwohl jetzt, an Pfingsten, Hochsaison herrscht, laufen die Koffer schon übers Band, als wir im Flughafengebäude ankommen. Der Weg durch den Zoll ist im Handumdrehen durchlaufen, und schon wenige Minuten später sitzen wir in unserem Transfer-Bus.

Eine sensationelle halbe Stunde nach der Landung sitzen wir in der Lobby des Sol y Mar Solaya, das gemeinsam mit vier weiteren Hotels das „Madinat Coraya“ an der gleichnamigen Bucht am traumhaft schönen Roten Meer bildet, und checken bei einem pappig-süßen Cocktail gemütlich ein. Das Sol y Mar Solaya gehört mit gut 200 Zimmern zu den etwas kleineren ägyptischen Hotels – spätestens am zweiten Tag fühlt man sich wie ein Familienmitglied, das von den Angestellten mit dem Vornamen begrüßt wird. Hier ist jeder höflich; der Gast ist König, und eine Heerschar an Mitarbeitern sorgt dafür, dass es an nichts fehlt. Die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet, der Blick auf Pool und Meer perfekt. Die Klimaanlage funktioniert und kann sogar reguliert werden – keine Selbstverständlichkeit in südlichen Hotels! Das Essen ist ausgezeichnet, und wer es gerne schärfer hat, kann sich in der arabischen Ecke und aus den Tontöpfen mit diversen Gewürzen und Ölen bedienen.hotel-zimmer-blick1

Doch wer reist schon wegen des Essens ans Rote Meer? Der wahre Star ist das Wasser selbst. Wer will, kann im kuschelwarmen Poolwasser starten – dank einer Entsalzungsanlage gönnt man sich hier den Luxus eines Süßwasserbades. Früher oder später jedoch erliegt jeder dem Charme und der Faszination der Unterwasserwelt von Marsa Alam. Zwei Wege gibt es, diese in der Coraya Bay zu erkunden. Der erste führt an den Sandstrand, von dem aus man hunderte Meter weit durch seichtes Wasser waten kann, wobei die ersten kleineren Fische einem schon um die Füße flitzen. Wem das zu lange dauert, der lässt sich am weiter draußen gelegenen Steg ins Wasser plumpsen – Taucherbrille, Schnorchel und Flossen sind Pflicht, um die ganze Schönheit des Riffs zu erkunden.

Wer das erste Mal das Rote Meer erschnorchelt, hat das Gefühl, in ein Aquarium zu fallen. Bizarre Korallenformationen ragen meterweit vor dem Besucher auf, dazwischen tummeln sich die verschiedensten Fische – neugierige Papageienfische, Drückerfische, kleine Barrakudas, Blaupunktrochen, Fischschulen und – mit etwas Glück – eine echte Karettschildkröte, die elegant durchs 26 Grad warme Wasser gleitet, um an der Oberfläche Luft zu holen.

Wem es nicht reicht, den Artenreichtum des Roten Meeres via Schnorchel zu erkunden, taucht ganz einfach ab. Das Tauchcenter „Coraya Divers“ liegt zwischen den Hotels und steht unter deutscher Leitung. Täglich werden mehrere Tauchangebote für jeden Kenntnisstand angeboten. Ob Schnupper-, Anfänger- oder Fresh-up-Kurs, ob Hausrifftauchen oder Ausflug mittels Speedboat oder Tauchboot ab Port Ghalib: Hier kommt jeder auf seine Kosten. Die Organisation und der technische Zustand des Leihequipments ist top; lediglich bei den Kosten müssen wir etwas schlucken. Qualität hat halt ihren Preis – auch in Ägypten.

Nach vier Jahren Tauch-Abstinenz bringt uns Tauchguide Valentina aus Italien wieder auf den notwendigen Kenntnisstand, um gefahrlos abtauchen zu können. Bei einem ersten Tauchgang an der südlichen Riffkante entlang entdecken wir entzückt drei junge Napoleonfische, doch auch sonst hat das Hausriff viel zu bieten. Dennoch zieht es uns am übernächsten Tag weg von der Coraya Bay. Mit dem Bus geht es nach Port Ghalib, wo unsere Ausrüstung auf die „Seafun“ geladen wird. Mit dem Schiff geht es ein Viertelstündchen Richtung Süden zum Riff „Umm Elros“. Dort teilen sich Taucher und Schnorchler in verschiedene Gruppen. Dieses Mal haben die Schnorchler mehr Glück: Sie begegnen einer Gruppe großer Schildkröten, die sich beobachten und fotografieren lassen.

Auch ein paar Taucher einer anderen Gruppe haben die Tiere entdeckt, das berichten uns die Schnorchler später. Entgegen der eisernen Regel, dass unter Wasser nichts angefasst werden darf, drehen sie eine der Schildkröten „in Position“, um ein schönes Bild zu erhalten. Es ist immer wieder frustrierend, wenn man erleben muss, mit welcher Respektlosigkeit vor der Natur manche Mitmenschen aus reinem Egoismus das Gleichgewicht der Unterwasserwelt stören! Schade, dass die gutmütigen Tiere nicht mal kurz an den Unbelehrbaren geknabbert haben…

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Beim Dive-Spot „Shura“, der rund 40 Minuten Schiffsfahrt von Port Ghalib entfernt liegt, entdeckt ein Mittaucher eine große Riesenmuräne, die träge in der Riffwand hängt und darauf wartet, dass ihr Futter in Form von kleinen Fischen ins Maul schwimmt. Doch die Freude dauert nur kurz an. Schon wenige Minuten später schwimmt einige Meter unter uns eine fremde Tauchergruppe vorbei. Zwei der Gesellen veranstalten ein fragwürdiges Foto-Spektakel: Taucher 1 kniet sich mit einer zerfledderten Zeitung auf den Sandboden, während Taucher 2 sich mit der Kamera in Position bringt, wobei er rücksichtslos mit einem Knie den Korallenblock unter ihm schrammt. Frei nach dem Motto: Ich war ja schon hier, mir doch egal, was mit dem Riff passiert… Schade, dass man solchen Gesellen nicht an Ort und Stelle die Tauchlizenz entziehen kann!

Da man sich aber nicht den ganzen Tag nur mit Tauchen und Schnorcheln beschäftigen kann, sucht sich der Rote-Meer-Tourist natürlich auch noch andere Beschäftigungen. Zum Beispiel Wasserball spielen im Hotelpool. Weniger gefragt ist Step-Aerobic in der 35 Grad warmen Luft, doch zum Zumba unter freiem Himmel finden sich ein paar Damen, die sich zusätzlich ins Schwitzen bringen wollen (ich gehöre allerdings nicht dazu). Am Strand gibt es Boccia-Felder, auch Tennis könnte man spielen, wenn man wollte. Oder den dem Madinat angegliederten Wasserpark besuchen. Dort warten sechs große Rutschen auf unternehmungslustige Urlauber. Abends gibt es Live-Musik auf der Terrasse, eine Bühnenshow des Animationsteams und gelegentlich Disco für die jüngeren Semester. Ach ja – Fußball gab es auch: Das Champions-League-Finale live im Innenhof des Nachbarhotels, unter freiem Himmel und bei freien Drinks. Dort versammelten sich mehrere hundert Fußballfans und -interessierte, um zu jubeln und zu jammern. Die Jubler waren in der Überzahl – Bayern hat Schulferien.

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Nur rund sieben Kilometer von der Coraya Bay entfernt ist in den vergangenen Jahren eine künstliche Stadt auf dem Wüstenboden gewachsen: Port Ghalib, eine Mischung aus Feriensiedlung und orientalischem Traum, wurde ebenfallls von der „M.A. Kharafi Group“ aus Kuweit aus dem Boden gestampft, ein Projekt, das den Touristenboom in der Region voranbringen soll. Rund 1000 Yachten finden in der großzügigen Marina Platz; der Ort hat sich seit seiner Eröffnung vor acht Jahren zu einem Dreh- und Angelpunkt für Tauchsafaris entwickelt. Am Abend tobt rund um den Hafen das Leben. Hier wird Kaffee getrunken und Shisha geraucht, und eine Straßenfront weiter kann im Basar der Stadt gehandelt werden. Zahlreiche Hotels und Ferienresidenzen laden zum Aufenthalt ein – die Coraya Bay ist uns dennoch lieber als das Prestige-Objekt mit seiner eindrucksvollen Architektur.

Eine Woche Ägypten: Entspannung und Erlebnis pur. Am Tag unserer Abreise gleiten wir noch einmal mit dem Schnorchel am Hausriff entlang. Eine hübsche Karettschildkröte schwebt vor uns aus der Tiefe auf, dreht langsam ab, nur um einige Minuten später plötzlich wieder neben uns zu schwimmen. Eine schönere Verabschiedung kann man sich nicht wünschen. Rund neun Stunden später steigen wir in Stuttgart aus dem Flieger. Das Thermometer zeigt drei Grad, es regnet in Strömen. Für einen kurzen Moment möchten wir umdrehen und zurückfliegen. Unser Flugbegleiter lächelt milde: „Tut mir leid, das war der letzte Flug für heute…“

Mit Gottvertrauen durch die Welt

14 Apr

SANTA CRUZ – Nächtelang im Bus, verzweifelte Suche nach einer Unterkunft, die bezahlbar ist und trotzdem über fließend Wasser verfügt, stundenlanges Warten… so sieht Annetts Reise durch Bolivien aus. Wo andere Menschen im sogenannten „mittleren Alter“ zwei Wochen im All-inclusive-Bunker irgendwo in der Karibik buchen und schon genervt sind, wenn die Handtücher mal nicht gewechselt werden oder die Auswahl am kalten Büfett zu klein ist, wuchtet Annett ihren Rucksack an den Straßenrand und wartet, ob sich ein Autofahrer erbarmt.

Seit acht Monaten ist Annett unterwegs. Die im thüringischen Greiz geborene Pädagogin hat sich mit ihrer Reise um die Welt einen Lebenstraum erfüllt. „Als mein Sohn vier Jahre alt war, habe ich mir gesagt: Wenn er auf eigenen Füßen steht, mache ich eine Weltreise.“ Seitdem hat Annett gespart – im September 2012 war es dann soweit: Die Mittvierzigerin gab ihre Arbeit in einer Kinderkrippe auf, verkaufte das Auto, das meiste vom Hausrat, löste ihre Wohnung auf – und brach auf.

Ausgangspunkt ihrer Reise war Brasilien, dann ging es weiter nach Paraguay, auf die Osterinsel und in die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia in Argentinien. „Von dort bin ich 12.000 Kilometer an den Anden entlang getrampt und habe elfmal die Grenze gewechselt“, erzählt die Weltenbummlerin. „Ich lebe aus dem Rucksack.“ Mit ihrem Sohn zusammen hat sie schon in den Jahren zuvor immer wieder Reisen in fremde Länder unternommen, da sie sich für andere Kulturen, die Natur und Lebensweise anderer Völker interessiert. „Wir in der angeblich zivilisierten Welt haben uns mit Selbstverständlichkeit an Luxus gewöhnt, der uns auch nicht glücklicher macht. Menschen mit weniger Lebensstandard haben sich oft trotz allem ihre Lebensfreunde erhalten“, das hat Annett in den vergangenen Monaten erfahren. Auf ihrer Reise vertraut sie auf Gott. „Er leitet mich, führt mich und gibt mir die richtigen Inspirationen“, dessen ist sie sich sicher.

Nun also Bolivien. Bauchkrämpfe, verheerende hygienische Zustände und „fließend Wasser“ in Form von undichten Dächern, ein nasser Schlafsack und Armut allerorten – Bettler, Verstümmelte, Kranke, die Passanten auf dem Weg zur Kirche um Spenden bitten und die „reiche“ Touristin aus Deutschland beschimpfen, wenn sie ihnen kein Geld gibt.

Ich kann sie nicht retten, schon gar nicht bewahren vor ihrem Schicksal. das steht nicht in meiner Macht“, sagt Annett. „Es sind außerdem zu viele. Die Cleveren verkaufen kleine, aus Palmblättern gebastelte Kreuze und Blumenkränze; sie musizieren, malen, putzen Schuhe oder Autoscheiben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“ Das findet die Mittvierzigerin gut. „Die nehmen die Verantwortung für ihr Leben in die eigenen Hände und tun etwas, aber die Bettler scheinen das nicht zu begreifen. Die wählen den einfachen Weg, geben die Verantwortung ab und ich als „Reicher“ muss mich auch noch vor ihren Flüchen und Beschimpfungen schützen, weil ich ihnen kein Geld gebe.“

Annett möchte einen anderen Beitrag für dieses arme Land leisten, einen bedeutungsvolleren. „Man muss bei den Kindern anfangen, um eine Gesellschaft zu ändern“, davon ist sie überzeugt. „Ich weiß von zwei Leuten aus Saalfeld, die um die Welt geradelt sind, die unterstützten ein Kinderheim in Santa Cruz“, erzählt sie. Dort will Annett arbeiten, doch ihr Weg führt sie an einen anderen Platz.

Durch Zufall lernt sie bei einem Ausflug eine Schweizerin kennen, die ebenfalls in einem Waisenhaus in Santa Cruz arbeitet. Auf dem Weg  dorthin verirrt sich Annett in der Stadt – und landet schließlich im „Aldea de ninos Padre Alfredo“, einer Art Kinderdorf, in dem je acht bis zwölf Kinder in einem Haus leben. „1972 entstand durch den österreichischen katholischen Pater Alfred das erste Padre-Alfredo-Kinderhaus“, erzählt die deutsche Weltenbummlerin. Es seien vor allem misshandelte, verlassene und verwaiste Kinder, die hier aufgenommen werden – oder solche, deren Eltern wegen Drogenhandels im Gefängnis sitzen.

Seit einigen Tagen nun arbeitet Annett im Kinderdorf. „Ich putze die Zimmer, koche, spiele und mache Blödsinn mit den Vier- bis 13-Jährigen. Die Kleinste ist mir gleich um den Hals gefallen und hat mich seitdem nicht mehr aus den Augen gelassen.“ Allerdings ist die Verständigung recht schwierig, denn Annetts „Reisespanisch“ reicht nicht aus, um alles zu erklären und zu verstehen. „Die Kinder haben haben aber große Geduld mit mir, erklären und zeigen mir alles.“ Fröhlich seien die Kleinen, aufgeschlossen, fröhlich und fleißig. Im Kinderdorf werden alle mit in die tägliche Arbeit eingebunden, sei es Brot backen oder beim Putzen helfen.

Doch es fehlt an vielem: In der Küche steht kein Tisch; gegessen wird in „Schichten“, weil nicht genug Geschirr da ist. Die gemeinsame Mahlzeit mit allen Kindern fehlt Annett, ebenso profane Dinge wie Wischtücher und Lappen. „Es gibt nur löchrige Lappen, eine Kehrschaufel existiert auch nicht.“ Es fehlt an tausend kleineren und größeren Dingen, die die Arbeit in hygienischer Hinsicht erleichtern. So ist es kein Wunder, dass „Einkaufen“ als erstes auf Annetts „To-do-Liste“ steht.

Die Matratzen? Alt und dreckig. Waschmaschine? Nicht vorhanden. „Da haben wir in Deutschland wirklich ideale Bedingungen zur optimalen Entwicklung unserer Kinder“ – das hat Annett schnell erkannt. Gerne hilft sie eine Zeitlang mit, engagiert sich für die Kleinen in Santa Cruz.

Doch bald schon geht die Reise für Annett weiter. Noch hat sie nicht alles von Südamerika gesehen; insgesamt will sie ein Jahr hier verbringen. Anschließend geht es weiter nach Mittel- und dann Nordamerika. Auch Australien, Neuseeland und zum Abschluss Asien stehen noch auf der Wunschliste. Vier Jahre soll die Reise insgesamt dauern. „Wenn das Geld früher alle ist, muss ich eher wieder zurück“, das ist Annett bewusst. „Wenn ich zurückkomme, muss ich von vorn beginnen.“ Angst vor dem Neuanfang hat sie aber nicht: „Ich habe großes Gottvertrauen und weiß, dass alle Probleme lösbar sind – es geht immer weiter!“ 

Wer Kontakt mit Annett aufnehmen oder direkt helfen möchte, kann sich mit ihr über Facebook in Verbindung setzen: https://www.facebook.com/#!/annett.wagner.353?fref=ts

Annett mit zwei von ihren Schützlingen