Von Machtgelüsten, Habgier und Kontrollverlust

10 Mai

Unsere Buchexpertin Susanne empfiehlt…
Teil 3: Neue Kriminalromane

 

Buch 01Horst Eckert: Schattenboxer
Vincent „Che“ Veih leitet die Mordkommission in Düsseldorf. Seine Mutter ist eine verurteilte und inzwischen aus der Haft entlassene RAF-Terroristin. Dieser Umstand holt den Kommissar immer wieder ein. Sensationeller Polit-Thriller.
Wunderlich Verlag|  ISBN 9783805250795

 

 

Buch 02Miranda Beverly-Whittemore: Bittersweet
Mabel darf ihre Freundin Ginevra in den Sommerferien besuchen und  ist fasziniert von Reichtum, Glanz und Schönheit dieses Familien-Clans. Wird sie das Verbrechen, dem sie auf die Spur kommt, verraten oder erliegt sie der Macht des Geldes, dem schönen Schein und ihren Gefühlen für Ginevras Bruder?
Insel Verlag |  ISBN 9783458360704

 

Buch 03Elisabeth Herrmann: Der Schneegänger
Polizeistudentin Sanela Beara schleust sich eigenmächtig als Putzfrau in die Villa eines Mordverdächtigen ein. Kann sie auf diese Weise aufklären, wer vor Jahren den kleinen Jungen getötet hat oder wird sie selbst zum Opfer?
Goldmann Verlag |  ISBN 9783442313860

 

 

U1_978-3-8052-5062-7.inddUrsula Poznanski: Stimmen
Ein Arzt an einer psychiatrischen Klinik wird ermordet. Ist der schwer traumatisierte, „Stimmen“ hörende Patient, der bei der Leiche gefunden wird, wirklich der Mörder? Was verbirgt das Klinik-Personal? Ein neuer, sehr bedrückender Fall für die Salzburger Kommissare Kaspary und Wenninger.
Wunderlich Verlag | ISBN 9783805250627

 

 

Buch 05

Jan Weiler: Kühn hat zu tun
Martin Kühn hat Sorgen: Kinder, Ehe, Karriere, ein unbezahltes Haus. Sein sonst so analytischer Verstand fährt Achterbahn und droht im Gedankenchaos zu versinken. Dabei braucht er für seinen Fall nichts dringender als einen klaren Kopf. Ein überraschend vielschichtiger neuer Roman vom Unterhaltungs-Experten Jan Weiler („Maria, ihm schmeckt’s nicht“).
Kindler Verlag | ISBN 9783463406435

 

Das Copyright an den Cover-Bildern liegt beim jeweiligen Verlag.

Von Flusspferden, Falschgeld und Dürrekatastrophen

5 Mai

Unsere Buchexpertin Susanne empfiehlt…
Teil 2: Neue Gesellschaftsromane

 

Buch 01Catherine Chanter: Die Quelle
Als eine Dürrekatastrophe das ganze Land bedroht wird ihr vermeintliches Paradies auf Erden für die Neu-Farmer Ruth und Mark zum Unglücksort. Psychologisch ausgefeilter Roman um falsche Verdächtigungen und hinterhältige Manipulationen.
Scherz Verlag | ISBN 9783651021952

 

 

Buch 02Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken
Neurochirurg Etan überfährt in der israelischen Wüste einen Flüchtling und begeht Fahrerflucht, aber bald holt ihn seine Tat ein. Aktuelle Palästina-Debatte, Flüchtlings-Schicksale und ein persönlicher Kampf mit Schuld und Sühne – Gundar-Goschen gelingt ein überzeugendes Gesellschaftsdrama.
Verlag Kein &  Aber | ISBN 9783036957142

 

 

Buch 03Arno Geiger: Selbstporträt mit Flusspferd
Mit einem ungewöhnlichen Ferienjob versucht der angehende Tierarzt Julian über die Schmach des Verlassenwerdens hinwegzukommen. Ein moderner „Werther“.
Hanser Verlag | ISBN 9783446247611

 

 

 

Buch 04Ian McEwan: Kindeswohl
Die angesehene Familienrichterin Fiona Maye muss unter Zeitdruck einen heiklen Fall entscheiden, der viel Fingerspitzengefühl erfordert. Gleichzeitig kollabiert ihre langjährige Ehe.
Diogenes Verlag | ISBN 9783257069167

 

 

 

Buch 05John Williams: Butchers Crossing
Ein junger Student möchte 1870 ein Abenteuer erleben und finanziert eine Büffeljagd. Das Unternehmen droht zu einem Ritt in den Tod zu werden. Ein spannendes und sprachgewaltiges Bild aus einer untergegangenen Zeit.
DTV Verlag | ISBN 9783423280495

 

 

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Von vergessenen Koffern und verschwiegenen Geschichten

1 Mai

Unsere Buchexpertin Susanne empfiehlt…
Teil 1: Neue historische Romane

 

Buch 01Michel Bergmann: Weinhebers Koffer
Ein Berliner Filmregisseur kauft bei einem Trödler einen alten Koffer, mit dem vor fast 80 Jahren Leonard Weinheber nach Palästina auswandern wolllte. Doch nur der Koffer kam in Haifa an. Eine Spurensuche.
Dörlemann Verlag | ISBN 9783038200161

 

 

Buch 02Susan Jane Gilman: Die Königin der Orchard Street
In den belebten Straßen von New York wird die kleine Malka von einem Eiswagen angefahren. Was 1913 mit einem Unfall begann, wird die triumphale Geschichte der „Eiskönigin“ von Amerika. Turbulente und frei erfundene Biografie mit Anleihen beim „Häagen Dasz“ Imperium.
Insel Verlag | ISBN 9783458176251

 

 

Buch 03Klaus Modick: Konzert ohne Dichter
Einige Jahre lang waren der Dichter Rainer Maria Rilke und der Maler Heinrich Vogeler enge Freunde. Was hat die beiden Künstler entzweit?  Klaus Modick hat sauber recherchiert und aus Fakten und Fiktion einen funkelnden Worpswede-Roman geschrieben, in den man sich verlieben muss.
Verlag Kiepenheuer & Witsch | ISBN 9783462047417

 

 

Buch 04Titus Müller: Berlin Feuerland
1848 – Märzrevolution in Berlin. Bürger und Arbeiter gehen für mehr Demokratie auf die Straße, und der König lässt auf sie schießen. Titus Müller erzählt packend und flicht eine zarte Liebesgeschichte in die dramatische Handlung.
Blessing Verlag | ISBN 9783896675033

 

 

Buch 05

Hanni Münzer: Honigtot
Um ihre halbjüdischen Kinder zu retten, geht die Münchner Sopranistin Elisabeth Malpran einen Pakt mit dem Teufel ein und heiratet einen SS-Schergen. Jahrzehnte später macht sich ihre Urenkelin auf die Reise, dieses Familiengeheimnis zu entschlüsseln. Fesselnde Geschichte mit viel Lokalkolorit.
Piper Verlag | ISBN 9783492307253

 

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Die schönste Art, sein Herz zu verlieren

25 Mär
Bild: Dummy_Sanchez-209.jpg

(c) Thiele Verlag

Unsere Buchexpertin Susanne hat für Euch das Buch „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ von Mamen Sánchez gelesen und stellt es euch hier vor:

Die spanische Kulturzeitschrift „Librarte“ soll neben Beiträgen aus der spanischen Kunstszene vor allem hymnische Besprechungen auf die Veröffentlichungen des Verlages „Craftsman & Co.“ publizieren. Allein zu diesem Zweck hat Marlow Craftsman, Inhaber des englischen Traditionshauses, das kleine Redaktionsbüro in Madrid eröffnet und die Literaturwissenschaftlerin Berta als zuverlässige Chefredakteurin eingestellt. Doch die Dinge laufen ganz und gar nicht nach Wunsch, und weil der mächtige Patriarch mit dem Heft keine weiteren Verluste einfahren will, beschließt er, die Herausgabe umgehend einzustellen. Er schickt seinen Sohn Atticus nach Madrid, um diese leidige Angelegenheit abzuwickeln und die fünf Mitarbeiterinnen, möglichst ohne Abfindung, zu entlassen.

Berta ist am Boden zerstört und fassungslos. Sie und ihre vier Kolleginnen Asunción, Maria, Gabriela und Soléa stecken seit fünf Jahren nicht nur all ihr fachliches Können und ihr Herzblut in diese Zeitschrift, sondern haben auch immer korrekt und, wie sie glauben, wirtschaftlich gearbeitet. Die fünf Frauen sind dabei zu echten Freundinnen geworden, für die die Redaktion ihr zweites Zuhause bedeutet, und sie sind nicht bereit, diesen Verlust und ihren drohenden finanziellen Ruin widerstandslos hinzunehmen. Also muss der Erbe des Medien-Tycoons unbedingt vom Wert ihrer Arbeit überzeugt werden, damit er seinen Vater umstimmen kann. Mit einem Trick lockt die attraktive Soléa den unbedarften, leichtgläubigen und freundlichen Atticus in ihre Heimatstadt Granada, wo er ihr, ihrer temperamentvollen Familie und dem Zauber der andalusischen Gitarrenkunst mit Haut und Haaren verfällt und bald keinerlei Drang mehr verspürt, in sein altes Leben zurückzukehren.

Erst kurz vor Weihnachten fällt seinen Eltern auf, wie lange sie nichts mehr von ihrem zweitältesten Sohn gehört haben und sie beginnen sich wegen seines spurlosen Verschwindens Sorgen zu machen. Marlow und Moira Craftsman, Prototypen des englisch-aristokratischen Snobs, reisen in die spanische Hauptstadt und schalten Inspektor Alonso Jandalillo ein. Leider hat der kauzige Madrider Polizist, der sich nach seinem Vorbild Don Quixote kurz und knackig „Manchego“ nennen lässt, die unselige Gabe, jeden Sachverhalt total zu verkomplizieren und jedes Indiz gründlich misszudeuten, was seiner Jugendfreundin Berta und ihrem Team wiederum sehr gelegen kommt.

Dass zu guter Letzt‘ doch noch ein wirklicher Betrug aufgeklärt und ein gefährlicher Schurke dingfest gemacht werden kann, ist der perfekten Zusammenarbeit der klugen Chefredakteurin Berta und dem furcht- und oft kopflosen Manchego zu verdanken.

Mamen Sánchez ist ein amüsant-amouröser Roman gelungen, in dem unterkühlte Briten auf feurige Spanier treffen. Natürlich resultieren daraus zwangsläufig einige Klischees, die jedoch das Lesevergnügen in keiner Weise trüben.

Auf dem beigefügten Lesezeichen warnt der Verlag: „Vorsicht! Dieser Roman könnte sich sehr negativ auf Ihre pessimistische Lebenseinstellung auswirken, zu plötzlichen Lachattacken führen und süchtig machen. Achten Sie auf Ihr Herz: Sie könnten den akuten Drang verspüren, sich zu verlieben. Und zu leben!“

Verführerischer kann man ein Buch kaum anpreisen, und auch ich wünsche ein frühlingsleichtes Lesevergnügen und empfehle dringend, während der Lektüre sowohl spanischen Rotwein als auch englischen Earl-Grey-Tee im Haus zu haben. Über das Eintreten der möglichen Nebenwirkungen hülle ich mich allerdings in Schweigen. (sst)

Thiele-Verlag 2015, ISBN 978-3-85179-287-4, 20 €

Outlander mit Schönheitsfehlern

8 Feb

„Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon ist mein Lieblingsbuch. Schon lange. Wie viele andere Frauen habe ich den ersten Band verschlungen, irgendwann in den 90er-Jahren, mich in die Protagonistin Claire hineinversetzt und ihre Zeitreise ins 18. Jahrhundert quasi hautnah miterlebt. Jetzt ist das Werk, das mittlerweile acht Bände umfasst, verfilmt worden. Endlich. Oder etwa doch eher leider?

Seit Anfang Januar kommen die Fans der Highland-Saga in den Genuss der Verfilmung – bislang allerdings nur auf dem Pay-TV-Kanal „Passion“. Die Fans, das sind vorwiegend Frauen – logisch, denn die Hauptfigur ist weiblich und erzählt die Geschichte auch aus ihrer Sicht. Und Frauen, das wissen wir, sind besonders kritische Zuschauer. Vor allem, wenn es um die Umsetzung ihres Lieblingsbuches geht.

Vorweg genommen: Die ersten Folgen von „Outlander“ halten sich bei der Verfilmung fast schon sklavisch nahe an der Buchvorlage. Das erfreut zwar auch mein Herz kolossal, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn aus dem  Geschriebenen bekannte Figuren aus dem Drehbuch herausgeschrieben werden oder Handlungsabläufe anders dargestellt sind. Leider hat aber offensichtlich noch niemand ein Patentrezept gefunden, wie man den Grat zwischen original actionreichem Buch und detailgetreuer Literaturverfilmung meistert, ohne dass Langeweile aufkommt. Und so liegt hier auch der Pferdefuß bei „Outlander“: Fast die gesamte erste Folge dreht sich um die eigentliche Vorgeschichte, nämlich die Story um Claire und ihren „Jetzt-Zeit-Ehemann“ Frank im Jahr 1945. In fast schon epischer Breite und mit einschläfernden Dialogen versehen beobachten wir das Paar in seinen zweiten Flitterwochen, dürfen uns an Burgbesichtigungen, dazwischen geschobenem Cunnilingus auf dem Kellertisch und dem Smalltalk zwischen Frank und demgeschichtsinteressierten Highland-Pastor Reginald Wakefield erfreuen… nicht alles, was sich im Buch hochinteressant anliest, wirkt auch in der Umsetzung so.

Die Längen… ja, die machen dem Ganzen zu schaffen. Es gibt allerdings Hoffung: Ab Folge 2 geht es aufwärts, denn sobald die toughe Claire im 17. Jahrhundert gelandet ist, nimmt die Geschichte – endlich – Tempo auf. Zum Glück, denn meine bessere (und männliche) Hälfte fragte sich (und mich) schon, was ich an dem Buch denn eigentlich so toll gefunden hatte. Das Durchhalten lohnt sich aber. Und das, obwohl Caitriona Balfe als Claire etwas zu dünn geraten ist und auch keine bernsteinfarbenen Augen hat. Obwohl Sam Heughan als Jamie, Highlander-Traum aller belesenen Frauen, längst nicht so groß und rothaarig ist, wie es sich in der Vorstellung der meisten eingebrannt hat. Die physischen Abweichungen der Protagonisten werden ausgeglichen durch die Authentizität, die sie ihren Figuren einhauchen – Heughan spielt den Jamie mit genau der richtigen Mischung aus kessem Bürschchen und tiefgründigem Folteropfer; Balfe wirkt auch in der Serie so gereift, erfahren und mutig, wie man es von einer emanzipierten Frau des 20. Jahrhunderts erwarten würde. Kein Weibchen, das sich hinter einem Mann versteckt, sondern eine, die hinsteht für ihre Überzeugungen und kämpft um ihr Glück.

Und so… ja, doch: Trotz aller Schwächen werden wir die Serie weiterschauen. Zumal die Folgen immer spannender werden und es als Bonus wunderbare Landschaftsaufnahmen aus Schottland obendrauf gibt. Wenn es die Regie jetzt noch schafft, die „Stimme aus dem Off“ weitgehend aus dem Drehbuch zu streichen, bin ich zufrieden. Ach ja – als Message für alle Männer da draußen lasse ich noch folgende Erkenntnis da: Mein Herzblatt hat heute schon gefragt, wann die nächste Folge läuft… (bb)