Outlander mit Schönheitsfehlern

8 Feb

„Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon ist mein Lieblingsbuch. Schon lange. Wie viele andere Frauen habe ich den ersten Band verschlungen, irgendwann in den 90er-Jahren, mich in die Protagonistin Claire hineinversetzt und ihre Zeitreise ins 18. Jahrhundert quasi hautnah miterlebt. Jetzt ist das Werk, das mittlerweile acht Bände umfasst, verfilmt worden. Endlich. Oder etwa doch eher leider?

Seit Anfang Januar kommen die Fans der Highland-Saga in den Genuss der Verfilmung – bislang allerdings nur auf dem Pay-TV-Kanal „Passion“. Die Fans, das sind vorwiegend Frauen – logisch, denn die Hauptfigur ist weiblich und erzählt die Geschichte auch aus ihrer Sicht. Und Frauen, das wissen wir, sind besonders kritische Zuschauer. Vor allem, wenn es um die Umsetzung ihres Lieblingsbuches geht.

Vorweg genommen: Die ersten Folgen von „Outlander“ halten sich bei der Verfilmung fast schon sklavisch nahe an der Buchvorlage. Das erfreut zwar auch mein Herz kolossal, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn aus dem  Geschriebenen bekannte Figuren aus dem Drehbuch herausgeschrieben werden oder Handlungsabläufe anders dargestellt sind. Leider hat aber offensichtlich noch niemand ein Patentrezept gefunden, wie man den Grat zwischen original actionreichem Buch und detailgetreuer Literaturverfilmung meistert, ohne dass Langeweile aufkommt. Und so liegt hier auch der Pferdefuß bei „Outlander“: Fast die gesamte erste Folge dreht sich um die eigentliche Vorgeschichte, nämlich die Story um Claire und ihren „Jetzt-Zeit-Ehemann“ Frank im Jahr 1945. In fast schon epischer Breite und mit einschläfernden Dialogen versehen beobachten wir das Paar in seinen zweiten Flitterwochen, dürfen uns an Burgbesichtigungen, dazwischen geschobenem Cunnilingus auf dem Kellertisch und dem Smalltalk zwischen Frank und demgeschichtsinteressierten Highland-Pastor Reginald Wakefield erfreuen… nicht alles, was sich im Buch hochinteressant anliest, wirkt auch in der Umsetzung so.

Die Längen… ja, die machen dem Ganzen zu schaffen. Es gibt allerdings Hoffung: Ab Folge 2 geht es aufwärts, denn sobald die toughe Claire im 17. Jahrhundert gelandet ist, nimmt die Geschichte – endlich – Tempo auf. Zum Glück, denn meine bessere (und männliche) Hälfte fragte sich (und mich) schon, was ich an dem Buch denn eigentlich so toll gefunden hatte. Das Durchhalten lohnt sich aber. Und das, obwohl Caitriona Balfe als Claire etwas zu dünn geraten ist und auch keine bernsteinfarbenen Augen hat. Obwohl Sam Heughan als Jamie, Highlander-Traum aller belesenen Frauen, längst nicht so groß und rothaarig ist, wie es sich in der Vorstellung der meisten eingebrannt hat. Die physischen Abweichungen der Protagonisten werden ausgeglichen durch die Authentizität, die sie ihren Figuren einhauchen – Heughan spielt den Jamie mit genau der richtigen Mischung aus kessem Bürschchen und tiefgründigem Folteropfer; Balfe wirkt auch in der Serie so gereift, erfahren und mutig, wie man es von einer emanzipierten Frau des 20. Jahrhunderts erwarten würde. Kein Weibchen, das sich hinter einem Mann versteckt, sondern eine, die hinsteht für ihre Überzeugungen und kämpft um ihr Glück.

Und so… ja, doch: Trotz aller Schwächen werden wir die Serie weiterschauen. Zumal die Folgen immer spannender werden und es als Bonus wunderbare Landschaftsaufnahmen aus Schottland obendrauf gibt. Wenn es die Regie jetzt noch schafft, die „Stimme aus dem Off“ weitgehend aus dem Drehbuch zu streichen, bin ich zufrieden. Ach ja – als Message für alle Männer da draußen lasse ich noch folgende Erkenntnis da: Mein Herzblatt hat heute schon gefragt, wann die nächste Folge läuft… (bb)

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