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Zwischen Sand und Meer: Ägyptens Süden ist mehr als eine Reise wert

24 Sept

Flughafen Marsa Alam, mitten in der Wüste. Dreieinhalbtausend Kilometer vom Flughafen Stuttgart entfernt sitzen wir im Minibus unseres Reiseveranstalters und warten darauf, dass es Richtung Hotel geht. Unser Fahrer wuchtet einen nach dem anderen der schweren Koffer durchs hintere Seitenfenster in den Fond des Fahrzeugs, stapelt höher und höher – bis das letzte Touristenpärchen einsteigt und sich beunruhigt umdreht. „Wenn der bremsen muss, haben wir die Koffer im Kreuz“, mault sie. Unser ägyptischer Reiseleiter hört’s, es folgt ein längeres Palaver mit dem Fahrer auf Arabisch. Das Ende der Geschichte: Missmutig lädt Letztgenannter die Koffer einen nach dem anderen wieder durchs Seitenfenster aus und packt die Reisetaschen auf die Dachreling. Das dauert, der Schweiß läuft uns trotz Klimaanlage in Strömen über die Stirn. Was soll’s – wir haben Urlaub, wir haben Zeit. Willkommen in Ägypten!

stegZur Rechten Sand, so weit das Auge reicht, zur Linken tiefblaues Wasser, das in mehreren Schattierungen leuchtet – mehr ist da nicht im Gebiet südlich des Flughafens von Marsa Alam. In der Ferne erheben sich Sandberge, dann und wann passieren wir ein Hotel an der Küste oder eine von Staub und Sand bedeckte kleine Siedlung. Das südliche Ägypten wurde erst nach der Jahrtausendwende vom Tourismus wachgeküsst, als ein kuweitischer Scheich in den Bau des Flughafens rund 50 Kilometer südlich des Fischerdorfs Marsa Alam investierte und wenige Kilometer daneben die Kunststadt Port Ghalib erschuf, mit Kanälen, an denen Platz für tausend Tauch- und Ausflugsboote ist.

Es folgte ein Bauboom ohnegleichen, dutzendweise entstanden große Hotelbauten rund um Marsa Alam entlang der Küste – doch die meisten von ihnen endeten als Bauruinen, die dem Wüstenwind trotzend fensterlos ihr Dasein fristen. Ihren Erbauern ging entweder das Geld aus – oder sie gehören kuweitischen Investoren, die nach der Revolution 2011 und den nachfolgenden politischen Unruhen lieber die Finger von weiterem finanziellen Einsatz ließen. Die Lage auf der arabischen Halbinsel bleibt instabil, doch während die Touristen den Pyramiden und dem Tal der Könige weitgehend den Rücken gekehrt haben, können sich die etablierten Hotels an der Küste halten.

riff4Der Hauptgrund dafür liegt unter Wasser. Hier im Süden, kurz vor der Grenze zum Sudan, ist die Welt unter der Oberfläche noch weitgehend in Ordnung. Schroff zum Meeresboden abfallende Saumriffe beherbergen zahlreiche Korallenarten, zwischen denen sich bunte Doktorfische, Muränen und gelegentlich auch mal ein kleiner Riffhai tummeln. Manche Bucht beherbergt ein Dugong, also eine Seekuh, und die zur Touristenattraktion Sataya verkommene Bucht hat fast schon eine Delfingarantie vorzuweisen. Das südliche Ägypten – ein Traum für Taucher, Schnorchler und Strandläufer.

hotelUnser Hotel, das Gorgonia Beach, liegt irgendwo „am Arsch der Welt“, wie es unser Reiseführer dezent ausdrückt, nicht ohne zu beteuern: „Aber es ist ein sehr schöner Arsch.“ Da hat er Recht. Die übersichtliche, zweigeschossige Anlage ist eine kleine Oase in der Wüste mit klimatisiertem Empfangsbereich, Gartenanlage und großem Pool. Die Zimmer sind riesig, der Weg zum Strand kurz. Doch wer braucht schon den Strand – wichtiger ist der rund 150 Meter lange Holzsteg, der zur Riffkante führt. Über zwei Leitern oder einen beherzten Sprung aus zwei Metern Höhe geht es ins warme Wasser – Mitte September sind die Temperaturen mit rund 28 Grad fast schon auf Badewannen-Niveau. Unter der Oberfläche warten schon erwähnte Korallenbänke am Saumriff und große Korallenblöcke auf den menschlichen Besucher, tummeln sich kleine und größere Fische, gelegentlich auch ein Oktopus oder ein Blaupunktrochen im klaren Blau.

hotelstrandDraußen am Strand kann man über die Grenzen der Anlage hinausflanieren. Alle hundert Meter trifft man auf einen improvisierten Unterstand im Sand. Dort bieten Beduinen Schmuck an: Armbänder mit Kunststoffperlen, Plastikblümchen oder aus Holzelementen sowie Halsketten halten sie feil; wer möchte, kann sich eins nach Wunsch anfertigen lassen. Für ein paar Euro erhält man die Arbeit einer Dreiviertelstunde, ein Lächeln und eine Menge zusätzliche Kettchen dazu geschenkt. Unter den Verkäufern sind auch drei kleine Mädchen, die älteste vielleicht elf, die jüngeren unter acht Jahre alt. „Die Schule beginnt erst im Oktober“, sagen sie – doch welche Schule? Die nächste ist in Marsa Alam, 50 Kilometer entfernt. Das erzählt uns Sonia, die Masseurin aus Kairo, die täglich am Strand entlanggeht und versucht, Kunden anzulocken. Nein, ich will keine Massage, doch Sonia gibt trotzdem eine Kostprobe ihrer Kunst. Mein Nein akzeptiert sie dann doch und erzählt aus ihrem Leben, von ihrem Mann, der acht Jahre in Italien gelebt hat und ihre Berufstätigkeit akzeptiert, von ihrem kleinen Sohn, zu dem sie täglich die 50 Kilometer nach Marsa Alam heimfährt, davon, dass ihre Verwandten in Kairo mit einem Bruchteil des Geldes klarkommen müssen, das sie im Hotel-Spa verdient. „Da gibt es dann halt nur Fladenbrot und Bohnen zu essen“, sagt sie – kein Leben, das sie führen will.

Wem das Riff des Gorgonia nicht genug bietet – und es bietet viel für Schnorchler und Taucher gleichermaßen – der kann an der Tauchbasis Ausflüge buchen. So fahren wir nach Marsa Egla („Marsa“ bedeutet Bucht). Dort gibt es angeblich ein Dugong, eine Seekuh. Die Ausflügler teilen sich in Schnorchler und Taucher auf und machen sich auf der Seegraswiese im Wasser auf die Suche nach dem großen grauen Tier. Die Taucher gehen leer aus, die Schnorchler haben Glück: Die gutmütig dreinschauende Seekuh schwebt schon nach kurzer Zeit vor ihnen her, scheint milde zu lächeln beim Anblick der Touristen.

Zurück an Land, erwartet uns ein ungewohnter Anblick. Eine ägyptische Familie hat sich neben unserem Lager am Strand niedergelassen. Zahlreiche Kinder und Jugendliche planschen ausgelassen im seichten Wasser; die Mädchen unter ihnen tragen volle Bekleidung – Jeans, Sweatshirt, Kopftuch. Der Spaß ist groß, der Lärmpegel auch. Drei Frauen machen es sich im Sand auf Klappstühlen bequem, die älteste unter ihnen stellt den Stuhl und ihre vom langen Gewand bedeckten Füße direkt ins Wasser. Dort beobachtet sie zufrieden das Treiben im Wasser, über ihrem Kopf einen weißen Sonnenschirm haltend zum Schutz gegen die Hitze.

Ein weiterer Ausflug führt uns zum Wrack der Abu Ghusun. Der Frachter sank in den 80er-Jahren am Rand einer malerischen Bucht; mittlerweile haben Korallen auf seinen Überresten gesiedelt und einen neuen Lebensraum für die Fische geschaffen. Gespenstisch erscheinen die Umrisse des aus 18 Meter Tiefe aufragenden Schiffs-Torsos beim Näherkommen durch die Taucherbrille; das Schiff scheint zu singen, zu klagen im Wogen des Meeres.

Zurück im Hotel. Wer genug vom Entspannen im Liegestuhl am Pool oder am Strand hat, kann zur Abwechslung auch eins der Korallenbecken des Innenriffs aufsuchen. Dort ist das Wasser zwar ein bisschen trübe, doch auf dem hellen Sandboden kann man erstaunliche Entdeckungen machen. Mit etwas Glück lassen sich die Schildkröten blicken, Gitarrenrochen ziehen elegant ihres Wegs, und neben dem riesigen Stachelrochen lässt sich in gebührlichem Abstand eine schwarze Muräne im Sand nieder. Nur einer lässt sich nicht blicken: Der große alte Barrakuda, der im größeren der beiden natürlichen Becken leben soll. Egal – vielleicht klappt es ja beim nächsten Besuch. Denn das südliche Ägypten ist definitiv mehr als eine Reise wert. (bb)

Menorca macht süchtig

11 Jun

MenorcaWillkommen in den 70ern. Das könnte das Motto Menorcas sein. Der überwiegende Teil der Urlauber hier sind Briten, dazu kommen Deutsche, Spanier und Italiener. Aber die Briten haben die Insel geprägt – und leider auch das Essen. Allererste Sahne hingegen ist die grandiose Natur, die Erholungssuchende auf dem Eiland vorfinden.

Vier Tage Menorca – reicht das, um die zweitgrößte Insel der Balearen kennenzulernen? Die Antwort lautet: nein. Zum Glück. Denn Menorca macht süchtig, und wer noch nicht alles gesehen hat, hat einen Grund, wiederzukommen. Doch der Reihe nach…

zufahrtVom dösigen Inselflughafen Mahon geht es im Mietwagen hinaus auf Menorcas Straßen. Das Ziel heißt Punta Prima und liegt im äußersten Südosten der Insel. Der Ort hat seinen Namen aufgrund der Tatsache erhalten, dass hier die Sonne als erstes in ganz Spanien aufgeht. Dem Touristen, der das erste Mal in diese Gegend kommt, geht hingegen schlicht und einfach das Herz auf, wenn er über die letzte Hügelkuppe fährt und das verschlafene Nest vor sich liegen sieht – in der Ferne lockt azurblaues Wasser, auf dem weiße Segelboote wie auf einem impressionistischen Gemälde arrangiert sind. Vorgelagert ist auch die „Ille des Aires“, die Insel der Winde. Hier leben sehr seltene schwarze Salamander; das Naturschutzgebiet darf nur mit dem Kanu angefahren werden.

100_2026Das Xaloc Playa ist ein Hotel, das quasi in Pole Position zum Strand liegt. Nur eine kleine Anliegerstraße trennt das Grundstück von weißem Karibikstrand und in unterschiedlichen Blautönen schillerndem, glasklarem Wasser. Die Anlage selbst ist kreisförmig um den großen Garten mit Pool, Minigolfanlage und Billard angelegt. Alles scheint in der Hitze des Tages zu schlafen; mühsam drehen sich die Körper der Hotelgäste auf den Sonnenliegen am Pool.

Prima Punta. Manche würden sagen: Hier ist der Hund begraben. Andere sagen: Das ist das Paradies. Traumstrand vor der Haustür, trotz Hitzewelle und Wochenende niemals überlaufen, Wasser karibisch glasklar, Sand puderzuckerweiß. In diesem Ort gibt es keine Zigaretten. Wer Tabakwaren will, muss nach Saint Lluis fahren, das ist rund 6 km entfernt. Auch am Strand müssen Raucher aufpassen – es gibt ein Gestell mit eistütenförmigen Plastikbehältern, die Raucher mit an den Strand nehmen müssen, um Asche und Kippen reinzuschmeißen. So bleibt der Strand wunderbar sauber.

Den Hang hinauf ziehen sich verschlafen die weißen Häuser; Hauptattraktion des Orts ist der alle paar Tage stattfindende „Markt“ mit Hippie-Schmuck, Pareos und Lederwaren. Fünf Stände, 50 Meter – das war’s. Idylle pur. Bis 21 Uhr. Dann quäkt im Touri-Bunker 50 Meter vom Xaloc Playa entfernt der DJ-Chef-Animateur zur Kinderdisco und dem anschließenden Stimmungsabend mit Bumm-Bumm-Musik und nervigem Gekreische los. Das geht allabendlich bis 23 oder 23.30 Uhr; trotz Ausrichtung zum Innenhof hat man keine Chance, dem Ganzen zu entkommen.

sonnenaufgang-klein6.15 Uhr. Sonnenaufgang. Zumindest einmal sollte man ihn erleben, den ersten Strahl des Himmelsgestirns in ganz Spanien. Langsam schiebt sich die blutrote Sonne über die Ostspitze der Bucht und taucht alles in ein warmes Licht. Der Spaziergang in der milden Morgendämmerung führt am Strand entlang und durch die Straßen zum alten Wehrturm hinauf. Dort sitzen ein paar Teenager und unterhalten sich – offenbar haben sie da oben übernachtet. Das hügelige Hinterland ist dicht mit Bäumen bewachsen; noch schläft der Ort.

11401395_917145521675162_6449939872592325240_nDoch was ist mit dem Plan, Menorca entdecken zu wollen? Wer am Puderzuckerstrand kleben bleibt, sieht definitiv zu wenig von der Insel. Der erste Ausflug führt zu einem kleinen Dorf namens „Binibeca Vell„. Die Siedlung am Hafen wurde vor wenigen Jahren neu erbaut. Der oder die Architekten haben den Stil einem alten Fischerdorf nachempfunden; es ist alles verwinkelt, eng, steil und ungewöhnlich. Das komplette Dorf ist in reinem Weiß gehalten und strahlt vor dem azurblauen Meer ganz wunderbar aus weiter Ferne.

In Binibeca gibt es um diese Jahreszeit auch frisch geschlüpfte Landschildkröten, die wir in einem großen Freigehege mit ein wenig Aufmerksamkeit beim Fressen beobachten können. In einem Restaurant an der Strecke nach Punta Prima halten wir, um ein paar Tapas zu essen. Unser Pech: Es ist ein Fischrestaurant, und der sprachgewandte Kellner kommt erst einmal mit einem riesigen Teller voller frisch gefangener Fische an unseren Tisch, erläutert uns die Sorten und äußert Empfehlungen. Wir entscheiden uns dennoch für einen Salat… Doch einige Leute an den Nebentischen bestellen Frisches aus dem Meer – und das riecht selbst für Veggies sehr lecker nach Knoblauch und Kräutern. Fazit: Wenn jemals doch Fisch, dann hier. Die Qualität hat allerdings auch ihren Preis – selbst beim Salat!

es-grau1Es Grau heißt das große Naturschutzgebiet an der Ostküste oberhalb von Menorcas Hauptstadt Mahon oder Maó. Die Insel ist voller Naturreservate; hier wird darauf geachtet, die Fehler und Bausünden der Nachbarn von Mallorca nicht zu begehen. Vom breiten Sandstrand von Es Grau wandern wir durch ein weitläufiges Gebiet über sonnige Wege, schattige Wäldchen, über lange Holzstege und vorbei an fliegenden Fischen hinauf zu einem wunderbaren Aussichtspunkt mit Blick über Lagunen und Seen. Kakteen mit mehreren Metern Höhe säumen unseren Weg. Zur Belohnung beschließen wir die Wanderung am fast menschenleeren Strand von Es Grau – kristallklares Wasser, sanft abfallender Sandstrand, warmes Wasser…

Am Samstag um 9 Uhr morgens beginnt der große Markt in der menorquinischen Hauptstadt Mahon. Als wir gegen halb zehn in der Tiefgarage direkt am großen Platz ankommen, steht da nur ein Auto außer uns! Auf Nachfrage erklärt die Kassiererin, dass die Leute wohl erst bis in einer Stunde eintrudeln werden… gut für uns! Menorca macht seinem Ruf als ruhige Insel wieder mal alle Ehre. Auf dem Markt gibt es vor allem flippige Hippie-Klamotten, Keramik und Schmuck.

11061963_917145948341786_3786180551707095576_nLetzter Tag der Reise. Nach dem Auschecken aus dem Hotel bleibt noch viel Zeit, mit der „Knutschkugel“, also unserem roten Fiat 500, zwei weitere wunderschöne Flecken zu entdecken. Zunächst auf zu den „Cales Coves„. Hier haben prähistorische Siedler Höhlen in den Fels über der Bucht geschlagen, um ihre Toten zu bestatten. Tausende Jahre später, in den 90ern, kamen dann Späthippies, die die Höhlen besetzten und dort wohnten, bis sie wieder vertrieben und die meisten Behausungen verschlossen wurden. Einige kann man noch besichtigen.

cales2Der Weg zu den Cales Coves führt zunächst über eine enge Straße, dann rund 20 Minuten zu Fuß einen Feldweg durch Gebüsch, Feigenbäume und Schilf hinab zu einer malerischen Bucht, die ein bisschen an Leonardo die Caprios „The Beach“ erinnert. Das Wasser schimmert in allen Blauschattierungen, der Rücken des in der Sonne bratenden Engländers auf einem Felsen am Rand in allen Rottönen. Ruhe, Magie und der Wunsch, es den Hippies gleichzutun und eine Weile hier zu bleiben, machen sich breit. Schnell das Oberteil runter und ins Wasser gesprungen! Wir kommen wieder…

Last Stop. Von den Cales Coves kommend, haben wir erstmal Hunger – es ist schon fast zwei Uhr mittags. Wir lassen uns die Nebenstraßen entlang treiben, bis wir ein Schild Richtung „Es Canutelles“ sehen. Der Blick in den Reiseführer offenbart, dass dort die Einwohner des im Inland gelegenen Dorfes „Saint Climent“ zum Baden gehen. Hört sich gut an – dort gibt es bestimmt auch noch ein Restaurant, das nicht auf Pommes und Bakes Beans spezialisiert ist…

cantuelles2Richtig geraten. Die zweigeteilte Bucht von Es Canutelles ist wunderbar: Zur Linken liegen Boote und ein kleiner Steinstrand, das Wasser ist fast unglaublich hell- bis dunkelblau. Zur Rechten liegt ein extrem flach abfallender Sandstrand, an dem sich Gänse und fast keine Menschen tummeln. Dazwischen, auf der Anhöhe gelegen, hat sich eine Bar angesiedelt, in der wir endlich Tapas bekommen! Während Oliven, Calamares, Pimientos al Padron, Oliven, Brot mit Tomatenpüree und Gazpacho serviert werden, genießen wir den Blick aufs Wasser. Möwen ziehen kreischend ihre Bahnen.

11392796_917145871675127_7080784196338952156_nNach dem Essen wandern wir zur Sandbucht hinab. Hier wird geschnorchelt! Ein im Sand vergrabenes halbes Ruderboot, zahlreiche Seegurken, Seeigel, ein Seestern und Fische von ganz winzig bis mittelgroß tummeln sich im klaren Wasser.

Draußen kommen neue Besucher. Vier junge Frauen im Wanderoutfit lassen sich im Sand nieder, entkleiden sich vollständig und waten durchs seichte Wasser. Vermutlich werden sie vom Restaurant aus fleißig beobachtet. Wir brechen auf. Die Nackten sind wieder aus dem Wasser entstiegen und sitzen in der prallen Sonne. Wir hingegen haben einen Sonnenschirm zu verschenken und halten an, um die jungen Frauen zu fragen, ob sie Bedarf haben.

Die Freude ist groß. Während wir wieder die Kuppe hinaufsteigen, drehen wir uns um. Eine der Nackten versucht, den Schirm in den harten Sandboden zu rammen. Ihr Strandtag liegt noch vor ihnen. Wir hingegen müssen zurück. Zum Flughafen, an Steinkreisen vorbei, zurück nach Deutschland, wo die Temperaturen in der Nacht zum Montag fallen. Auf Menorca hingegen bleibt es warm. Wir kommen wieder – irgendwann… (bb)

Mallorca in vier Tagen – nix wie weg vom Ballermann

9 Nov

Vier Tage Mallorca im Oktober – wir sind Ersttäter und haben keine rechte Ahnung, was da auf uns zukommt. Nur eines wissen wir mit Sicherheit: Wir wollen möglichst weit weg von Ballermann und Konsorten. Urlaubsorte wie Palma, Cala Ratjada oder die Bucht von Pollenca sparen wir daher gleich mal aus – zu viele Hotels, zu viele Touristen.

Colónia de St Jordi heißt unser Ziel auf der Balearen-Insel. Ganz im Süden, mit offenen, wilden Stränden. Unser Hotel liegt auf einer Felsklippe, mit Badesteg ins Meer. Doch der Reihe nach… Nach der Landung in Palma geht es mit dem Mietwagen eine knappe Dreiviertelstunde durchs Land. Wir sind überrascht: „Malle“ bietet jetzt, am Ende der Saison, angenehm leere Straßen, relativ viel Grün und viele zauberhafte kleine Windmühlen. „Hübsch“, denken wir – so gar nicht das, was wir erwartet hatten. Auch in Colónia scheinen die Uhren anders zu ticken, etwas langsamer – trotz der vielen Hotels und Ferien-Appartements. Keine Massen an Menschen, selbst der eigentlich überlaufene Traumstrand Es Trens, den wir am ersten Tag besuchen, ist lange nicht so voll wie erwartet. Das Wasser: kristallklar und fast karibikfarben bei 25 Grad. Die Luft: mit 28 Grad hochsommerwarm. Was will man mehr?

Nun ja, man will die Insel sehen, sie kennenlernen, ihr nachspüren. Mit dem Auto geht’s zum 20 Kilometer entfernten Cap de Ses Salines. Hier, am äußersten Südzipfel der Insel, branden die Wellen unterhalb des Leuchtturms temperamentvoll an die Felsen. Kleine Steine wurden zu Türmchen aufgeschichtet – wer hat das gemacht, und vor allem: warum? Über einen Küstenpfad wandern wir eine halbe Stunde in der morgendlichen Hitze bis zum Platja Es Caragol, dem Schneckenstrand. Außer uns ist nur noch eine Familie in der langgezogenen Sandbucht zu sehen. Wellen umspülen unsere Füße, und bald schon wagen wir uns hinein ins wunderbare Nass. Im Verlauf der nächsten Stunden trudeln noch 20, 30 Leute ein – hierher kommt nur, wer nicht zu faul zum Wandern ist. Die einen baden in Textil, die anderen nackt. Wen stört’s? Platz ist genug; der Nebenmann ist 20 Meter entfernt…

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Es Trens, Es Caragol… Wir brauchen Abwechslung. Am nächsten Tag geht es eine Stunde Richtung Norden bis nach Manacor und von dort weiter Richtung Küste nach Porto Christo. Dort begeben wir uns unter Tage, in die Cueva Drach, die Drachenhöhle. Hier verzaubern Tausende und Abertausende Tropfsteine in allen Größen die Besucher. Am Ende der halbstündigen Begehung auf bequemen Pfaden wartet ein ganz besonderes Spektakel auf uns: An einem unterirdischen Salzsee schweben beleuchtete Ruderboote durch das Dunkel. Auf einem musiziert ein vierköpfiges Orchester Klassik, und rund zehn Minuten später wird es langsam hell. Kitsch as Kitsch can – und ganz einfach wundervoll!

An der Ostküste entlang trudeln wir wieder abwärts in den Süden. Eine „Cala“ wechselt sich hier mit der nächsten ab. Die hübschen Buchten haben oft Sandstrände, manchmal auch nur Felsen zu bieten – immer jedoch sind sie einen Besuch wert. Wir haben das Glück, uns zu verfahren: Statt in der Cala Llombarts landen wir an einer Treppe, die auf 120 Stufen hinab zur Cala Almunia führt – ein Paradies, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Am Ende der Treppe liegt zur Rechten ein winziger Sandstrand, „dekoriert“ mit einigen kleinen, teils kaputten Ruderbooten und leider auch etwas Plastikmüll. Dennoch ist die Sandbucht hübsch. Der Knaller indes liegt auf der linken Seite: Eine pittoreske Ansammlung alter Fischerhäuschen – kunterbunt gemischter Baustil, mehrere kleine Bootsslips und ein Fotograf, der gerade nackte Schönheiten vor einer roten Sandsteinwand ablichtet. Sorry, Ihr Hübschen: Der Ort, an dem Ihr fotografiert werdet, ist noch tausendmal schöner als Ihr…

Die Cala Almunia, eine der letzten unbewirtschafteten Buchten an der Ostseite Mallorcas.

Die Cala Almunia, eine der letzten unbewirtschafteten Buchten an der Ostseite Mallorcas.

Über schlüpfrige Steine gelangt man hier in atemberaubend klares Wasser, denn ein Großteil der Bucht verfügt über hellen Sandboden. Neugierige kleine Fische begleiten uns beim Schnorcheln, und eigentlich will man gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Doch damit ist unsere Entdeckungsreise noch nicht zu Ende: Auf der anderen Seite des Hügels, hinter den Fischerhäuschen, gelangt man über einen Trampelpfad zur Calos des Moro. Das komplette Gelände wurde von einer einheimischen Familie liebevoll bepflanzt und gepflegt, so dass ein kleines Naturparadies entstanden ist. Der Bau eines Hotels wurde erfolgreich verhindert; die verheerenden Schäden eines Flächenbrands sind nicht mehr zu sehen.

Die Calos des Moro… Es geht wieder bergab, steil und ungleichmäßig sind die Naturstufen, die zu der Bucht führen, die zugleich winzig und bombastisch ist. Riesige Felsblöcke liegen auf dem weißen Sand; die Wellen branden auch hier mit Wucht auf die begrenzte Liegefläche. An ruhigen Tagen ist der Strand wohl doppelt so groß, doch heute, an einem Tag Mitte Oktober, drängen sich die rund 20 Gäste zwischen den Steinen zusammen. Rundherum wird die Bucht flankiert von imposanten roten Steinwänden und Höhlen, in der sich die Brandung bricht.

Reines Badevergnügen der ruhigen Art hingegen bietet die Cala Murada, die zu beiden Seiten von kleinen Reihenhäuschen flankiert wird, die sich in die Landschaft einfügen. Für ein paar Euro gibt es an der Strandbar leckere Tapas, gebratene Pimientos und kühle Getränke, und wer will, kann sich einen der wenigen Sonnenschirme mieten, um gefahrlos den Tag verdösen zu können.

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Etwas quirliger geht es zu in der Cala Figuera. Hier können sich Wagemutige von Felsplateaus ins Meer stürzen – wer darauf keine Lust hat, bummelt in die Bucht hinein und bewundert die zahlreichen Segel- und Motorboote, die dort vor Anker liegen. Im Restaurant „Es Port“ hoch über dem Wasser kann man nicht nur lecker speisen, sondern hat auch einen wunderbaren Blick über die ein- und ausfahrenden Schiffe. Tapas, weiße Sangria und leckerer Salat, dazu ein Panorama aus tiefblauem Wasser und weißen Booten. Zu unseren Füßen streicht eine schwarze Katze umher; sie ist wohlgenährt. Zum Glück, denn auf unseren Tellern findet sich weder Fleisch noch Fisch.

Vier Tage Mallorca im Oktober – und sie gehen irgendwie viel zu schnell vorbei. Fehlen noch die Souvenirs. Wir kaufen Salz aus den Salinen im Süden, versetzt mit wunderbar duftenden Kräutern und Knoblauch, und Orangenmarmelade aus Soller. Wieder daheim im herbstlichen Deutschland, holen wir und dann den spanischen Sommer zurück – mit Tapas und einer guten Flasche Rotwein aus dem Süden. Bis zum nächsten Mal, Du schöne Baleareninsel. (bb)

Walhai und Cenotenzauber – Urlaub auf Yukatan

15 Okt

Einmal Karibik bitte. Aber wohin? Kuba? Zu teuer für den Familienetat. Jamaika? Nicht fischreich genug für den tauchenden Nachwuchs. Dominikanische Republik? Och nööö… da fährt ja jeder zweite hin. Nach langer Suche in Katalogen und im Internet steht das Reiseziel schließlich fest: Mexiko soll’s werden, und dort die Halbinsel Yukatan. Ein Überraschungspaket, das wir erst gar nicht auf dem Plan hatten – und das unsere Erwartungen noch übertraf.

Rush-Hour in Cancun. Unser Kleinbus hält an der Ampel auf der mittleren Spur; links stehen zwei Autos. Die Fahrerin des vorderen Fahrzeugs schwingt theatralisch die Hände durch die Luft, der Lenker des hinteren Wagens zuckt mit den Schultern. Offenbar hat er den fahrbaren Untersatz vor ihm unsanft touchiert; die Stoßstange ist zerkratzt. Unser Guide Alex beugt sich zum Fenster und ruft: „Frau, das ist doch nix! Steig ein und fahr‘ weiter!“ In Deutschland, tönen wir Urlauber von den hinteren Sitzen, wäre das ein Schaden von 5000 Euro. Alex lacht. „Ja, klar, in Deutschland gibt es ja auch eine Hundesteuer. Eine Hundesteuer!“ Er muss es wissen, er hat eine Zeitlang in Deutschland gelebt. Prompt übersetzt er den Sachverhalt für unseren mexikanischen Fahrer. Der kriegt sich nicht mehr vor Lachen. Willkommen in Mexiko.

Klotzen statt kleckern

Yukatan ist eine Halbinsel, die mitten in den Atlantischen Ozean hineinragt. Links von der Insel nennt er sich „Golf von Mexiko“, rechts davon „Karibik“. Da wollen wir hin – auf zu türkisfarbenem Wasser und puderzuckerweißem Strand. Eine schnurgerade vierspurige Straße führt von Cancun südwärts bis zur Grenze nach Belize, zur Linken liegt hinter dichtem Dschungel das Meer, zur Rechten ebenfalls dichter Dschungel, Ortschaften und dann und wann ein Schild, das auf eine Cenote hinweist. Cenoten sind… ach, was soll’s – das kommt später… Zunächst staunen wir ob der pompösen Eingangsbereiche der Hotels, die am Straßenrand auf die Unterkünfte hinweisen. Die Anlagen sind riesig, fressen sich südwärts von Cancun am Strand entlang immer weiter ins saftige Grün. 1000 Zimmer pro Komplex sind keine Seltenheit; von der Hauptstraße aus geht die Fahrt ein paar Minuten Richtung Meer bis zu den riesigen Empfangsgebäuden der Touristenunterkünfte. Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt!

Natur pur im Hotel

Gerne hätte ich jetzt geschrieben, dass wir in einem der wunderschönen, kunterbunten mexikanischen Aussteiger-Hotels untergekommen sind. In Wahrheit jedoch hat die Pauschalreise im 1500-Betten-Komplex gewonnen, weil sie einfach billiger war. Für drei Personen immer noch teuer, aber wenigstens erschwinglich. Das „Grand Sirenis“ liegt zwischen dem Touristenort Playa del Carmen und der bekannten Maya-Ruinen-Stadt Tulum rund eineinhalb Stunden von Cancun entfernt – weit genug, um den Trubel der Großstadt hinter sich zu lassen. Der Komplex ist riesig, erstreckt sich auf mehrere Gebäude, von denen jedoch keines höher als drei Stockwerke ist. So will es das Gesetz, und das ist gut so. Zwischen den Gebäuden verteilen sich Lobby, diverse Spezialitätenrestaurants, Pools und Dschungel.

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Allgegenwärtig: Exotische Vögel, die noch viel exotischere Geräusche von sich geben (eine süddeutsche Saatkrähe hört sich edel dagegen an) und noch viel, viel exotischere Echsen, die überall im Gebüsch, auf den Bäumen und auch des öfteren mitten auf dem Weg herumliegen. So mancher Tourist füttert sie mit Bananen, was man nicht tun soll – es bringt meist nichts Gutes, wenn der Mensch ein Wildtier von sich abhängig macht. Noch lieber als die Echsen füttern die Touristen die säugende Waschbärin, die genau wie der drollige Nasenbär um den Poolbereich strolcht und auch gerne mal einen Blick in die Badetasche des Besuchers wirft – könnte ja was Essbares drin sein. Scheu hingegen sind die Aguris, große, sanfte Nagetiere, die dann und wann am Dschungelrand auftauchen. Natur pur – das macht Freude!

All inclusive lullt ein

Die Pools haben rund 35 Grad, die Luft auch. Vielleicht bringt das Meer ein wenig Abkühlung an einem heißen Juni-Tag? Okay – rund 30 Grad, da fröstelt’s einen ja fast schon, haha… Der Puderzuckerstrand ist da, unterbrochen von steinigem Untergrund und Felsformationen. Es gibt schattige Liegen (schnell belegt), sonnige Liegen (immer ein Plätzchen frei) und Hängematten (können zum Glück nicht belegt werden) – jeder findet einen bequemen Ort zum Dösen, und ständig flaniert die freundliche Bedienung vorbei und fragt, was man trinken will. All inclusive lullt ein, doch dafür sind wir nicht hergekommen.

Karibik unter Wasser

Wie sieht die Karibik unter Wasser aus? Das ist die große Frage, die wir uns stellen. Tauchermaske an, Schnorchel dran – ab ins Wasser. Verglichen mit dem Roten Meer ist die Mexikanische Karibikküste unter der Oberfläche zunächst relativ unspektakulär. Wo Ägypten mit der ganzen Farbpalette in Rot, Blau, Gelb und Grün aufwarten kann, wo die Fische sich gegenseitig fast die Vorfahrt und den Besucher in die Mitte nehmen, tummeln sich hier nur vereinzelt ein paar Exemplare über relativ farblosen Riff-Formationen. Die Hurrikane der vergangenen Jahre und die zeitweise Überfischung der Riffe fordern ihren Preis. Doch Mexiko hat gelernt: Vor Cancun zum Beispiel wird mit dem „Unterwasser-Museum“ in Form von menschlichen Skulpturen, Autos und sogar Regalen den Korallen neuer Lebensraum zum Besiedeln geboten; Teile des Meeres wurden zum Schutzgebiet erklärt wie das Palancar-Riff bei der Insel Cozumel. Von der sind wir jedoch ein Stückchen entfernt.

Dennoch: Einer der ersten Wege führt zur lokalen Tauchbasis, die wie der Realität gewordene Karibiktraum auf den Felsen und unter Kokospalmen über dem Meer thront. Tauchen in der Karibik ist einfach – Formular ausfüllen, Brevet-Nummer angeben und los geht’s. Zwei Tauchgänge zur Wahl: Shallow oder Deep Dive. Wir nehmen den flachen Tauchgang und finden uns nach kurzer Bootsfahrt in 14 Meter Tiefe über Korallenblöcken und Felsformationen schwebend am Grund der Karibik wieder. Eine leichte Strömung herrscht hier; ein Barrakuda mittlerer Größe beäugt uns mit geringem Interesse. Alles in allem ganz nett, aber nichts Spektakuläres.

Auf Tuchfühlung mit dem Walhai

Spektakulär wird es ein paar Tage später auf dem offenen Meer westlich von Cancun und der vorgelagerten Isla Mujeres, der Insel der Frauen. Mit einem schnellen Boot flitzen wir ins tiefe Blau, auf der Suche nach den größten Fischen der Welt, den Walhaien. Eingangs erwähnter Alex ist unser Guide – er stammt aus Mexiko-City, hat in jungen Jahren einen mehrjährigen Trip durch Europa unternommen und eine Zeitlang in Deutschland gearbeitet. Doch die Winter waren zu kalt, und so packte er seinen Rucksack und flog zurück nach Mexiko – allerdings nach Yukatan, das wohl das Sahnestückchen des Landes sein dürfte. Unsere Truppe an Bord ist international: Neben Alex und der einheimischen Besatzung, uns drei Deutschen und Schotte Jim sind noch ein französisches und ein italienisches Pärchen mit an Bord.

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In der Ferne springt ein Manta; an der Oberfläche schaukeln ein paar Schildkröten im tiefen Gewässer. Unser Käpt’n verringert die Fahrt, und vor uns tauchen weitere Boote auf, die einen Kreis um große, aus dem Wasser ragende Flossen bilden: Wir haben die Walhaie gefunden. Die sanften Riesen der Meere versammeln sich jeden Sommer hier vor Yukatan im planktonreichen Gewässer, denn die Kleintiere sind die Leibspeise der ungefährlichen Fische. In Zweiergruppen springen wir zusammen mit dem Guide ins Wasser, um mit den Haien zu schwimmen. Die Großen sind mehr als zehn Meter lang; näher als zwei Meter darf man ihnen nicht kommen, zu ihrem und zu unserem Schutz, denn die Schwanzflosse kann einen dann doch umhauen. Viel zu kurz sind die Begegnungen mit den Riesen: Wir springen, wir schwimmen, genießen den Augenblick, wenn man kurz neben dem gigantischen Tier seine Bahn zieht – dann sind sie wieder weg… Dreimal darf jeder ins Wasser, mit drei verschiedenen Haien schwimmen wir. Einer hat zwei „Anhalter-Fische“ auf seiner Seitenflosse mitgenommen. Ein Hai schwimmt direkt auf mich zu – ein Maul wie der Kühlergrill eines Autos. Erstaunlicherweise empfindet niemand Unbehagen bei diesem Anblick; wir sind allzu fasziniert.

Traumstrand und mexikanisches Bier 

Dann ist es vorbei, wir fahren zurück und machen Halt vor der Isla Mujeres, wo zunächst an einem Riff geschnorchelt und dann an einem Traumstrand Halt gemacht wird. Wir hüpfen über die Reling des Bootes ins brusttiefe Wasser. Alex reicht uns ein kühles mexikanisches Bier – „Sol, das beste“ -, und wieder genießen wir den Augenblick. Mexiko ist schön, Yukatan ist schöner, hier vor der Isla Mujeres ist es am schönsten…

Tulum – Maya-Schönheit am Meer

Doch halt – genauso schön, wenn auch auf eine andere Art, ist es bei den präkolumbianischen Maya-Stätten wie Tulum. Auch die Maya wussten eben schon, wo’s am besten ist. Der mitgereiste Teenager-Sohn zieht erstmal einen Flunsch – warum soll man sich eigentlich Steinruinen anschauen, wenn es brütend heiß ist und das türkisfarbene Wasser unerbittlich lockt? Nein, junger Mann – ein bisschen Kultur muss eben auch sein. So trödeln wir in der Hitze durchs historische Gelände und betrachten – die einen mehr, die anderen weniger fasziniert – kleinere und größere Maya-Bauten, Ornamente, Steinfiguren, bewundern die Wasserversorgung des indianischen Volkes und fotografieren das alles und natürlich auch die Leguane, die wie Wächter aus längst vergangenen Zeiten über den Tempeln in die Ferne starren.

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Zum Glück liegt Tulum am Wasser, und bald schon entdeckt der Filius einen menschenleeren Strand, in aller Karibikschönheit mit Puderzuckersand und sanften Wellen, die an Land rollen. Eine Absperrung macht seine Bade-Träume jedoch zunichte: Hier legen Schildkröten ihre Eier, und der Naturschutz hat Vorrang. Verständlich. Immerhin: Wo ein Strand ist, gibt es sicher noch einen anderen, und kurz darauf entdecken wir eine Badegelegenheit, die über eine Holztreppe zu erreichen ist und mit beträchtlicher Brandung aufwarten kann. Die Tempel machen Pause, wir geben uns den Wellen hin…

Cenoten-Zauber

Noch mehr Badevergnügen warten jedoch im Inland, und dieses Mal birgt es sogar eine Erfrischung. Cenoten – die heiligen Quellen der Maya. Mehr als Tausend davon gibt es auf der Halbinsel Yukatan. Entstanden sind diese über- und unterirdischen Süßwasserseen durch Einbrüche im Kalkstein, der das Fundament der Region bildet. Das Wasser ist klar und etwas frischer als das Meer – 25 oder 26 Grad dürften es aber allemal noch sein… Wagemutige durchtauchen die Cenoten, von denen viele unterirdisch miteinander verbunden sind. Wir begnügen uns mit Schnorcheln, beobachten die kleinen Fische bei enormen Sichtweiten und die winzige Schildkröte, die die „Cenote Azul“ bei Akumal durchstreift. Der Fels über dem See bietet sich als Natur-Sprungbrett an; hier mischen sich Touristen, Einheimische und Nachkommen der Maya beim gemeinsamen Bad.

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Shopping ist Nebensache

Bei so vielen Naturerlebnissen spielt das Shopping, spielt die Stadt fast keine Rolle. Ein einziges Mal fahren wir mit dem äußerst praktischen „Colectivo“, dem allgegenwärtigen Sammeltaxi auf Yukatans Straßen, nach Playa del Carmen. Doch der Touristenzauber mit den „Flying Maya“ und den muskelstrotzenden Kraftprotzen am Strand lässt uns kalt. Lediglich die wunderschönen bunten Strandtücher und der leckere Tequila („anejo“, kein Vergleich zu den in hiesigen Supermärkten erhältlichen Varianten) lohnen den Besuch. Zu verlockend ist das Wasser in all seinen Facetten, zu verlockend der Strand, der Dschungel, die Natur, zu verlockend die Hängematte, die einen sanft ins Reich der Träume schaukelt – obwohl… man ist ja schon da – hier in Mexiko. (bb)

Sommer in der Stadt

13 Jun
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Warum nicht mal nach Zagreb? Nur eine Flugstunde von München entfernt, bekommt man als Städtereisender eine Menge geboten an Kunst, Kultur und Kulinarischem in der Stadt der Millionen Herzen. Tradition und Moderne sind in Zagrebs Altstadt und der quirligen Unterstadt symbolisch verbunden durch die Zahnradbahn, mit der man in kürzester Zeit bequem vom historischen Teil der Stadt zur Einkaufsmeile gelangen kann – und umgekehrt. Zur Tradition gehören auch gutes Essen und eine Kaffeehauskultur, die den Vergleich zur Wiener Konkurrenz nicht zu scheuen braucht. Und zum „Changing of the Guards“ muss man nicht unbedingt nach London reisen – nein, auch das erlebt man mittags in Zagrebs Altstadt vor der St.-Markus-Kirche.

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Das Stadtviertel Donji Grad (Unterstadt) liegt zu Füßen der beiden Altstadtviertel Kaptol und Gornji Grad, die auf zwei Hügeln über der Save-Ebene thronen. In der Oberstadt Gronji Grad gibt es unzählige Museen und Ateliers. Darunter traditionelle wie das „Historische Museum Kroatiens“, aber auch außergewöhnliche wie das „Museum of Broken Relationships“ – in diesem einzigartigen Museum dreht sich alles um gebrochene Herzen und Beziehungen, dokumentiert durch Erinnerungsstücke von Menschen mit Liebeskummer. Einen Besuch lohnen auch die Meštrović Gallerie in der Altstadt sowie das Museum of Contemporary Art in der neuen Südstadt.

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Unbedingt besuchen sollte man auch die kleinen Blumenmärkte und den großen Dolac Markt, auf dem täglich frisches Gemüse und Obst angeboten wird. Die Cafés und Restaurants rund um den bekanntesten Markt Zagrebs sind berühmt für ihre regionale Küche. Auf keinen Fall verpassen darf man hier die Zagreber Strudel aus Äpfeln, Käse oder Sauerkirschen. Für den städtetechnisch eher ruhigen Sonntag empfehlen wir einen Bummel über den Antiquitäten-Flohmarkt am Britanski Platz.

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Zagreb ist auch eine sehr grüne Stadt. Das sogenannte grüne Hufeisen liegt im Herzen von Kroatiens Hauptstadt. Diese Kette von Plätzen und Stadtparks wurde vom Architekten Milan Lenuzzi entworfen und erstreckt sich über weite Teile der Unterstadt Donji Grad. Im grünen Hufeisen finden Erholungssuchende überall ein ruhiges Plätzchen mitten in der Stadt, z. B. auch im zentral gelegenen Botanischen Garten.

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Ebenfalls sehenswert und eine grüne Oase ist der Mirogoj Friedhof– der Zentralfriedhof liegt auf einem Hügel außerhalb des Zentrums; er wurde 1876 angelegt, und hier ruhen viele berühmte kroatische Schriftsteller, Politiker und Musiker. Es ist einer der schönsten Friedhöfe Europas – der Kölner Architekt Hermann Bollé gestaltete die Hauptgebäude.

Nach einem Tag voller Kunst und Kultur zieht es Besucher und Einheimische am Abend ins quirlige Nachtleben Zagrebs. Ganz egal, ob Folklore oder Jazz, Stadttheater oder Klassikkonzert, in den traditionellen Bierstuben, den unzähligen Clubs, Lounges und Pubs wird man garantiert fündig. (ima)

Ein paar Restaurant-Tipps: Vinodol, Gricki Top, Okrugljak, Gallo
Stadtführungen: Zagreb Talks