No Woman, no Drive

28 Okt

Daumen hoch für Hisham Fageeh! Was, den Namen habt Ihr noch nie gehört? Dann wird es Zeit. Hisham ist nach eigener Aussage Künstler und Sozialaktivist – und er kommt aus Saudi-Arabien. Dieses Land macht derzeit Schlagzeilen, weil es der letzte Fleck auf Erden ist, auf dem es Frauen verboten ist, Auto zu fahren.

Die Gründe dafür sind hanebüchen. Die abstruseste Theorie: Autofahren könnte die weiblichen Eierstöcke schädigen! Tja, wenn man’s genau betrachtet: Die Geburtenrate in den westlichen Staaten geht ja permanent zurück. Trotzdem: Das Autofahren wird wohl eher nicht der Auslöser dafür sein. Der eigentliche Grund für das Fahrverbot liegt wohl eher in dem Wunsch saudi-arabischer Männer begründet, jeden Schritt der Ehefrau, Tochter oder Schwester überwachen zu können.

Doch die saudischen Frauen haben die Nase voll: Seit Tagen machen die selbstgedrehten Youtube-Videos von autofahrenden Frauen in dem Golfstaat die Runde. Das Regime ist in Aufruhr, die Welt schaut hin. Egal, wie die Sache jetzt ausgeht: Der Grundstein für die Emanzipationsbewegung in Saudi-Arabien ist gelegt und wird auf Dauer nicht zu stoppen sein!

Zurück zu Hisham Fageeh. Der will nun den Beweis antreten, dass es auch in seiner Heimat andere Männer gibt – Männer, die sich kritisch mit dem Thema „Fahrverbot für Frauen“ auseinandersetzen, Männer, die wissen, wie man mit Humor und Ironie umgeht. Deshalb hat Hisham, der in den USA studiert hat, ein Video gedreht, das einerseits nachdenklich stimmt, andererseits aber vor allem eines ist: witzig!

Bretagne: Das Finistère – das Ende der Welt?

17 Sept

Unsere Gast-Autorin Gisela Goblirsch-Bürkert war kürzlich in der Bretagne, genauer in Roscoff am Ende der Welt – oder doch eher am Kopf der Erde, am Anfang des Festlandes? Alles eine Frage der Perspektive:

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Das Finistère – finis terrae – das Ende der Welt. Die Menschen dort sehen es anders. Sie nennen den Landstrich den „Kopf der Erde“. Von uns aus gesehen ist der nördlichste Zipfel der Bretagne tatsächlich das Ende unseres Kontinents. Für die Briten, die jedes Jahr im Sommer von Wales aus nach Roscoff am Nordwestende der Bretagne übersetzen, ist das Finistère der Anfang des Festlandes. Und es kommen viele. So viele, dass die Schiffslinie „Brittany Ferries“ tatsächlich eine Gemeinschaftseinrichtung der Iren und Bretonen ist.

Zwei Häfen und viele Briten
Roskoff-Ebbe-3-webDie Schiffe, die zweimal wöchentlich mit frischem Gemüse und Lebensmitteln beladen den Weg nach England und Irland antreten, nehmen auf dem Rückweg die Briten mit nach Frankreich. Der Handels- und Verkehrsweg ist alt. Von hier aus soll schon Mary Stuart die Überfahrt nach Schottland angetreten haben. Und ihr Erbe ist in Roscoff noch spürbar. Im „Hôtel de Marie Stuart“ beispielsweise, das direkt am alten Hafen liegt. Dieser Hafen hat heute nur noch Bedeutung für die Masse der Fischkutter und Ausflugsdampfer, denn zweimal pro Tag verabschiedet sich das Meer und lässt ein trockenes Hafenbecken zurück, in dem die Kutter auf ihren Schwertern am Kai lehnen, als wären sie besoffen. Die kleineren Boote liegen wie Fische auf dem Trockenen zwischen Algen und Sand und man kann ihnen beinahe ansehen, wie sehnsüchtig sie auf die Flut warten. 

Roskoff-Flut-6-webNach 6 Stunden und 25 Minuten schwimmt die ganze Flotte wieder fröhlich sechs bis sieben Meter über Grund. Das ist das Erstaunliche an diesem Tidenhub. Ist das Becken gefüllt, kann man sich nicht vorstellen, wie es ohne Wasser aussähe. Und liegen die Boote auf Grund kann man sich nicht vorstellen, dass jemals Wasser in diesem Hafenbecken war. Selbstverständlich ist dieser Tidenhub für den großen Schiffsverkehr eher unbrauchbar, weshalb der moderne Hafen weiter im Norden liegt, weit weg vom historischen Roskoff.

Toureau-92-kleinDie Tide hat auch Auswirkungen auf den Personenverkehr. Die Ausflugsdampfer zum Château de Toureau legen entweder direkt am Hafenkai ab oder 600 Meter weiter in einem Seitenarm, wo das Wasser noch gerade eben schiffbar ist. Eine imposante Brücke führt schnurgerade hinaus aufs Wasser. 600 Meter lang und bei Sturm ein Ort, an dem man sich (auch mit erheblichem Übergewicht noch) fast waagrecht gegen den Wind lehnen kann.

Für Feinschmecker
Zeichnung-Kirche-von-RoskoffRoscoff bietet einen kompletten Überblick, über alles, was das Finistère ausmacht: Der mächtige Kirchturm ragt wie ein Mahnmal Gottes in den Himmel und der dunkelgraue Granit mit seinen durchscheinenden Turm-Verzierungen gibt ihm den Anschein, als sei er von Seepocken überzogen, verwittert oder mit dunklem Faden gestickt. Zu seinen Füßen schmiegen sich kleine Gässchen mit den Spezialitäten-Läden. Kouin Amann – die butterige, klebrig-zuckrige, in vielen Lagen geschichtete und mit Äpfeln, Himbeeren oder anderem Obst verfeinerte Kuchenspeise der Bretagne liegt in vielen Schaufenstern, wird zum Teil auch frisch gebacken und ist das Maximum an Fett und Kohlenhydraten. Natürlich schmeckt sie fantastisch. (Das ist aber keine Entschuldigung für maßlosen Genuss!) Dazu gibt es ein sagenhaftes Angebot an bretonischem Weißbier. Einige Sorten sind so gut, dass sich die bayerischen Brauer noch was abschauen könnten. Sie schmecken bierig herb, aber mit einer Fruchtnote, wie beispielsweise der Cidre, den man selbstverständlich in unzähligen Abfüllungen bekommt. Überhaupt schmeckt alles im Finistère ein bisschen fruchtiger: der traumhafte Honig (es gibt viele „Miellierien“ an der Nordküste, das Bier, der Cidre. Und sogar die Garnelen, die Krebse und der bretonische Hummer sind einfach nur sensationell fein. Mit einem Blick auf die neuen Baguette-Sorten (vielfältiger und als Körner-Baguette sehr aromatisch) schließe ich diesen Absatz – nicht ohne im Gegensatz dazu auf die Fish & Chips-Bude hinzuweisen, die direkt am Hafen die ankommenden Briten mit einem Hauch englischer Küche versorgt. Glücklicherweise hat sogar dieses anglophile Angebot den Geschmack Frankreichs. Also man kann die Fritten und auch den Backfisch mit Genuss vertilgen und benötigt dazu keinen Essig, wie er in GB üblicherweise dazu gereicht wird.

Der botanische Garten
Blüte-3-webKaum ein botanischer Garten hat mich so amüsiert, wie der von Roscoff. Er ist relativ neu – erst rund 60 Jahre alt, aber dafür mit so viel Liebe angelegt, dass man aus dem Fotografieren nicht heraus kommt. Mit Kakteen-Haus, Fischteich samt Schildkröten, hölzernen Rast-Ecken und als Höhepunkt ein hoher Aussichtsfelsen, von dem aus man die herbe „Schönheit“ des Hafens und des umliegenden Industriegebiets betrachten kann. Trotz dieser Einschränkung sollte man sich zwei Stunden Zeit nehmen für diesen Garten und bitte beachten, dass er mittags schließt. Besonders ist der Pflanzenverkauf am Ausgang des Gartens. Da findet man herrliche Kakteen und viele Nutz- und Zierpflanzen, Kräuter und mehr.

Fotos und Zeichnungen: Copyright by Gisela Goblirsch-Bürkert

Links zu Finistère:  Roscoff Tourisme  |   Finistère Tourisme  |  Finistère Virtuell  |  Jardin exotique & botanique à Roscoff

„Die Tage werden kürzer, der Sommer ging vorbei.“

26 Aug

Unser SommerEin herrlicher Sommer ist fast vorbei. So langsam stellt sich ein wenig Wehmut und Melancholie ein, gleichzeitig aber auch Vorfreude auf den nächsten. Genau diese Stimmung besingt Max Giesinger mit „Unser Sommer“ und genau diese Stimmung fängt auch das erste Musikvideo von Klaus Sahm dazu ein. Der Song beginnt mit einem schönen Gitarren-Intro und steigert sich zu einer eingängigen Melodie mit Ohrwurmpotenzial. Die Video-Bilder dazu unterstreichen die Melancholie mit wunderbaren Licht- und Farbstimmungen und die Freude durch Späße und Lachen.

Max Giesinger ist einer dieser jungen Musiker, die es an die Spitze schaffen wollen. Einige davon sind gut, manche sogar sehr. Herausragende Künstler gibt es jedoch nur relativ selten. Es sind diejenigen, die dem Zuhörer eine Gänsehaut verschaffen und bei denen man merkt, dass sie Musik im Blut und in der Seele haben. Giesinger gehört wie kaum ein anderer zu dieser Kategorie. Die Kombination seiner markanten Stimme und seiner lockeren Art macht ihn einzigartig. Sein eigenes Ding zu machen war für Max schon immer sein größter Antrieb, weshalb er schon früh mit dem Schreiben eigener Songs begann. Die jahrelange Erfahrung spiegelt sich in seinen heutigen Songs wieder, welche durch eingängige Hooklines und durchdachte Texte herausstechen.


Single und gleichnamige EP „Unser Sommer“ erscheinen am 30. August zunächst als Download. 
Eine limitierte physische Edition gibt es dann auf der „In dieser Stadt Tour 2013“ im September:

14.09.13 Berlin, Crystal Club
15.09.13 Hamburg, Prinzenbar
16.09.13 Köln, Studio 672
17.09.13 Münster, Cafe Sputnik
18.09.13 Frankfurt, Ponyhof
24.09.13 München, Backstage Club
25.09.13 Karlsruhe, JubeZ
26.09.13 Stuttgart, Goldmarks

(ima)

Alles, was bleibt

24 Aug

Alles was bleibtDie Geschichte ist nicht neu. Aber die Art, wie sie von Annette Hohberg erzählt wird, und vor allem die Sprache der Autorin machen das Buch zu etwas Besonderem. Beispiel gefällig? „Als sie aufsteht, gehen seine Blicke mit ihr zur Tür.“ Man hätte auch einfach „Als sie aufsteht, sieht er ihr nach.“ schreiben können. Doch Hohberg geht virtuoser mit der deutschen Sprache um. Dies und auch die Sprachbilder, die sie malt, macht die Lektüre interessant, überraschend, kurzweilig. Dazu trägt auch das Stilmittel, die Rückblicke und Erinnerungen der Protagonistin in der Gegenwartsform zu erzählen, bei.

Zum Inhalt: Siebzehn Jahre lang führten Leo und Gesine eine Ehe wie aus dem Bilderbuch. Bis Leo eines Tages den schicksalhaften Satz sagt: »Mir ist da was passiert.« Der 50-Jährige hat sich in eine jüngere Frau verliebt, Gesine steht vor den Scherben ihrer Ehe und tut das, was sie immer zusammen mit ihm gemacht hat: Sie kocht. Denn Kochen und gutes Essen sind fast so etwas wie die Essenz ihrer Beziehung gewesen. Sie reist in das gemeinsame Haus in der Normandie, im Gepäck 17 Fotos, die die Geschichte ihrer Liebe erzählen und allmählich die Brüche aufzeigen, die sie zu lange nicht sehen wollte. In Frankreich findet Gesine zu sich selbst – und trifft beinahe eine tragische Entscheidung …

Die Autorin Annette Hohberg hat Linguistik, Literaturwissenschaften und Soziologie studiert. Heute arbeitet sie als Journalistin. Auf die Frage, woher sie die Inspirationen für ihre Romane hole, sagte sie mal: „Ich lebe!“. Die Schriftstellerin lebt in München, fühlt sich aber überall auf der Welt zu Hause. Was immer dabei sein muss: gute Bücher und gute Musik.

Ebenfalls ein Lese-Vergnügen und zu empfehlen ist das zweite Buch der Autorin „Ein Sommer wie dieser“. Das dritte Werk „Das unendliche Blau“ erscheint am 2. September – wir sind schon sehr gespannt darauf. (ima)

Bild- und Textquelle

CD-Tipp der Woche: Emma6 – Bei „Passen“ passt alles

18 Aug

Diese Jungs sind heiß. Genauer gesagt: Ihre Musik ist heiß. Emma6, so der ungewöhnliche Name des Trios, haben dieser Tage ihr zweites Album mit dem schönen Namen „Passen“ auf den Markt geworfen, und was soll man sagen – da passt alles!

Vor einigen Wochen schon haben wir die erste Single des Albums vorgestellt, „Wie es nie war“. Der Ohrwurm ließ aufhorchen und machte Lust auf mehr. Doch es ist so eine Sache mit großen Erwartungen, denn oftmals werden sie auch enttäuscht. Da folgen dann platte Alben auf verheißungsvolle Singles. Anders bei Emma6: Mit „Passen“ ist den Musikern zumindest musikalisch der große Wurf gelungen. Ehrliche, teils etwas kryptische Texte, eingängige Melodien, ein abwechslungsreiches Spektrum aus einfühlsamen Balladen und Uptempo-Muntermachern rund um das Thema „Beziehungen“, die passen oder eben auch nicht, sorgen dafür, dass einem das Anhören niemals langweilig wird.

Wer Lust auf gute deutsche handgemachte Musik hat, sollte sich die Hörproben bei Amazon & Co. auf die Ohren geben. Vielleicht kann er dann ja irgendwann genau das von sich behaupten, was die Band so herrlich selbstironisch in dem Titel „Ich hab die Band zuerst gekannt“ besingt. Obwohl… neee, wir bei Mosaicpunkt waren doch die ersten, oder?

Spaß beiseite: Auf alle Fälle haben sich Emma6 schon Unterstützung aus dem Promi-Lager gesichert. Via Facebook haben es Dick Brave & the Backbeats auf den Punkt gebracht: Great Guys, Great Music, Great Album! Die Anzahl der Facebook-Follower steigt von Tag zu Tag, genauso wie der Verkaufsrang des Albums. Aktuell steht der MP3-Download bei Amazon schon auf Platz 4. Also nix wie ran an die Kopfhörer.

Homepage der Band (mit Tourdaten):

http://www.emma6.de/