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Advent in Zagreb

20 Dez
Advent in Zagreb

(c) Tourismus Zagreb

Auf Einladung von Tourismus Zagreb hatten wir – zusammen mit Kongress-, Event- und Reiseveranstaltern – die Möglichkeit am dritten Advent-Wochenende die Hauptstadt Kroatiens kennen zu lernen und im 5-Sterne-Hotel Esplanade Zagreb feudal und luxuriös zu logieren, wie einst die Reisenden des Orient Express.
Unser Eindruck: Eine sehr interessante Stadt mit schönen, historischen Gebäuden, vielen Museen, einem beeindruckenden Theater, vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten, einem breiten Hotel-Angebot, dichtem Trambahnnetz, schönen Cafés und guten Restaurants. Letztere sind den Kroaten sehr wichtig, da diese es lieben, sich mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen und gegessen wird sowieso den ganzen Tag – viel zu viel, aber sehr gut! 

Die Hauptstadt des jüngsten EU-Mitgliedstaates Kroatien ist eine geschichtsträchtige und dennoch pulsierende Stadt. Durch die Jahrhunderte hat sie sich zu einem kulturell reichen und international verankerten Zentrum Mitteleuropas entwickelt. Zagreb ist geschäftlicher Mittelpunkt des Landes, Universitätsstadt, Stadt der Kultur, der Kunst und der Unterhaltung. Die Zagreber Museen bergen das historische Erbe des Landes und beeindrucken zugleich mit Innovation und Flair für die zeitgenössische Kunst, wie unter anderem das Museum der zerbrochenen Beziehungen beweist. Zagreb ist reich an Parkanlagen und Spazierwegen mit zahlreichen Ausflugsorten in der Umgebung. Der Naturpark Medvednica – die „grüne Lunge“ Zagrebs – liegt in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt und birgt neben acht Waldreservaten auch zahlreiche Kulturdenkmäler. Stadt und Region haben viel zu bieten.

Cazma

(c) Tourismus Zagreb

Im Advent ist die Stadt besonders stimmungsvoll, da Straßen und Plätze üppig in weihnachtlichem Lichterglanz erstrahlen und viele kleine Weihnachtsmärkte zum Bummeln einladen. Besonders erwähnen möchten wir noch den Ausflug ins ca. 45 Minuten von Zagreb entfernte Weihnachtsdorf in Čazma. Dort hat die Familie Salaj sich einen Weihnachtstraum erfüllt, indem sie ihr weitläufiges Grundstück jedes Jahr mit ca. 1,4 Millionen Lichtern schmückt. In allen denkbaren Farben glitzert und blinkt es – schlicht überwältigend…überwältigend kitschig und trotzdem wunderschön! Ein glitzerndes Märchenwunderland, das mittlerweile jedes Jahr von ca. 60.000 Menschen bestaunt wird. Ganz in der Nähe, in Šumećani, lohnt sich die Einkehr auf dem agrotouristischen Landgut der Familie Kezele, die ihre Gäste mit hausgemachten Spezialitäten der Region und Folklore bewirten und unterhalten.

Unser Fazit: Zagreb ist eine Reise Wert – sicher nicht nur im Advent! (ima)

Ein paar nützliche Links:
Tourismus Zagreb, Advent in ZagrebEsplanade Hotel Zagreb, DoubleTree by Hilton, Restaurant Gallo Zagreb, Restaurant Vinodol Zagreb, Weihnachtsdorf in Čazmaagrotouristisches Landgut der Familie Kezele

Bretagne: Das Finistère – das Ende der Welt?

17 Sept

Unsere Gast-Autorin Gisela Goblirsch-Bürkert war kürzlich in der Bretagne, genauer in Roscoff am Ende der Welt – oder doch eher am Kopf der Erde, am Anfang des Festlandes? Alles eine Frage der Perspektive:

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Das Finistère – finis terrae – das Ende der Welt. Die Menschen dort sehen es anders. Sie nennen den Landstrich den „Kopf der Erde“. Von uns aus gesehen ist der nördlichste Zipfel der Bretagne tatsächlich das Ende unseres Kontinents. Für die Briten, die jedes Jahr im Sommer von Wales aus nach Roscoff am Nordwestende der Bretagne übersetzen, ist das Finistère der Anfang des Festlandes. Und es kommen viele. So viele, dass die Schiffslinie „Brittany Ferries“ tatsächlich eine Gemeinschaftseinrichtung der Iren und Bretonen ist.

Zwei Häfen und viele Briten
Roskoff-Ebbe-3-webDie Schiffe, die zweimal wöchentlich mit frischem Gemüse und Lebensmitteln beladen den Weg nach England und Irland antreten, nehmen auf dem Rückweg die Briten mit nach Frankreich. Der Handels- und Verkehrsweg ist alt. Von hier aus soll schon Mary Stuart die Überfahrt nach Schottland angetreten haben. Und ihr Erbe ist in Roscoff noch spürbar. Im „Hôtel de Marie Stuart“ beispielsweise, das direkt am alten Hafen liegt. Dieser Hafen hat heute nur noch Bedeutung für die Masse der Fischkutter und Ausflugsdampfer, denn zweimal pro Tag verabschiedet sich das Meer und lässt ein trockenes Hafenbecken zurück, in dem die Kutter auf ihren Schwertern am Kai lehnen, als wären sie besoffen. Die kleineren Boote liegen wie Fische auf dem Trockenen zwischen Algen und Sand und man kann ihnen beinahe ansehen, wie sehnsüchtig sie auf die Flut warten. 

Roskoff-Flut-6-webNach 6 Stunden und 25 Minuten schwimmt die ganze Flotte wieder fröhlich sechs bis sieben Meter über Grund. Das ist das Erstaunliche an diesem Tidenhub. Ist das Becken gefüllt, kann man sich nicht vorstellen, wie es ohne Wasser aussähe. Und liegen die Boote auf Grund kann man sich nicht vorstellen, dass jemals Wasser in diesem Hafenbecken war. Selbstverständlich ist dieser Tidenhub für den großen Schiffsverkehr eher unbrauchbar, weshalb der moderne Hafen weiter im Norden liegt, weit weg vom historischen Roskoff.

Toureau-92-kleinDie Tide hat auch Auswirkungen auf den Personenverkehr. Die Ausflugsdampfer zum Château de Toureau legen entweder direkt am Hafenkai ab oder 600 Meter weiter in einem Seitenarm, wo das Wasser noch gerade eben schiffbar ist. Eine imposante Brücke führt schnurgerade hinaus aufs Wasser. 600 Meter lang und bei Sturm ein Ort, an dem man sich (auch mit erheblichem Übergewicht noch) fast waagrecht gegen den Wind lehnen kann.

Für Feinschmecker
Zeichnung-Kirche-von-RoskoffRoscoff bietet einen kompletten Überblick, über alles, was das Finistère ausmacht: Der mächtige Kirchturm ragt wie ein Mahnmal Gottes in den Himmel und der dunkelgraue Granit mit seinen durchscheinenden Turm-Verzierungen gibt ihm den Anschein, als sei er von Seepocken überzogen, verwittert oder mit dunklem Faden gestickt. Zu seinen Füßen schmiegen sich kleine Gässchen mit den Spezialitäten-Läden. Kouin Amann – die butterige, klebrig-zuckrige, in vielen Lagen geschichtete und mit Äpfeln, Himbeeren oder anderem Obst verfeinerte Kuchenspeise der Bretagne liegt in vielen Schaufenstern, wird zum Teil auch frisch gebacken und ist das Maximum an Fett und Kohlenhydraten. Natürlich schmeckt sie fantastisch. (Das ist aber keine Entschuldigung für maßlosen Genuss!) Dazu gibt es ein sagenhaftes Angebot an bretonischem Weißbier. Einige Sorten sind so gut, dass sich die bayerischen Brauer noch was abschauen könnten. Sie schmecken bierig herb, aber mit einer Fruchtnote, wie beispielsweise der Cidre, den man selbstverständlich in unzähligen Abfüllungen bekommt. Überhaupt schmeckt alles im Finistère ein bisschen fruchtiger: der traumhafte Honig (es gibt viele „Miellierien“ an der Nordküste, das Bier, der Cidre. Und sogar die Garnelen, die Krebse und der bretonische Hummer sind einfach nur sensationell fein. Mit einem Blick auf die neuen Baguette-Sorten (vielfältiger und als Körner-Baguette sehr aromatisch) schließe ich diesen Absatz – nicht ohne im Gegensatz dazu auf die Fish & Chips-Bude hinzuweisen, die direkt am Hafen die ankommenden Briten mit einem Hauch englischer Küche versorgt. Glücklicherweise hat sogar dieses anglophile Angebot den Geschmack Frankreichs. Also man kann die Fritten und auch den Backfisch mit Genuss vertilgen und benötigt dazu keinen Essig, wie er in GB üblicherweise dazu gereicht wird.

Der botanische Garten
Blüte-3-webKaum ein botanischer Garten hat mich so amüsiert, wie der von Roscoff. Er ist relativ neu – erst rund 60 Jahre alt, aber dafür mit so viel Liebe angelegt, dass man aus dem Fotografieren nicht heraus kommt. Mit Kakteen-Haus, Fischteich samt Schildkröten, hölzernen Rast-Ecken und als Höhepunkt ein hoher Aussichtsfelsen, von dem aus man die herbe „Schönheit“ des Hafens und des umliegenden Industriegebiets betrachten kann. Trotz dieser Einschränkung sollte man sich zwei Stunden Zeit nehmen für diesen Garten und bitte beachten, dass er mittags schließt. Besonders ist der Pflanzenverkauf am Ausgang des Gartens. Da findet man herrliche Kakteen und viele Nutz- und Zierpflanzen, Kräuter und mehr.

Fotos und Zeichnungen: Copyright by Gisela Goblirsch-Bürkert

Links zu Finistère:  Roscoff Tourisme  |   Finistère Tourisme  |  Finistère Virtuell  |  Jardin exotique & botanique à Roscoff

Wo die Schildkröte zum Abschied winkt: Abtauchen und Schnorcheln in Marsa Alam

30 Mai

Weg aus der eisigen Kälte des missratenen deutschen Frühjahrs, mitten rein in die Hitze Ägyptens. Unser Ziel, die Coraya Bay, liegt zwar am Meer, doch direkt hinter dem Hotel fängt die Wüste an, mit malerischen Bergen am Horizont. Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad erwarten uns, dazu ein lebhafter Wind vom Meer her, der die Hitze erträglich macht.

Nasser Al-Kharafi sei Dank. Hat der 2011 verstorbene Unternehmer aus Kuweit doch dafür gesorgt, dass man ruckzuck von Stuttgart in das südliche Ägypten gelangen kann: Vor rund zwölf Jahren baute die Firma Al-Kharafis zwischen den am Roten Meer gelegenen Orten El-Quesir und Marsa Alam einen Flughafen, der für einen schnelleren Transfer von Touristen in die Region sorgen soll. Über den Airport Marsa Alam geht es stressfrei in den Urlaub. Obwohl jetzt, an Pfingsten, Hochsaison herrscht, laufen die Koffer schon übers Band, als wir im Flughafengebäude ankommen. Der Weg durch den Zoll ist im Handumdrehen durchlaufen, und schon wenige Minuten später sitzen wir in unserem Transfer-Bus.

Eine sensationelle halbe Stunde nach der Landung sitzen wir in der Lobby des Sol y Mar Solaya, das gemeinsam mit vier weiteren Hotels das „Madinat Coraya“ an der gleichnamigen Bucht am traumhaft schönen Roten Meer bildet, und checken bei einem pappig-süßen Cocktail gemütlich ein. Das Sol y Mar Solaya gehört mit gut 200 Zimmern zu den etwas kleineren ägyptischen Hotels – spätestens am zweiten Tag fühlt man sich wie ein Familienmitglied, das von den Angestellten mit dem Vornamen begrüßt wird. Hier ist jeder höflich; der Gast ist König, und eine Heerschar an Mitarbeitern sorgt dafür, dass es an nichts fehlt. Die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet, der Blick auf Pool und Meer perfekt. Die Klimaanlage funktioniert und kann sogar reguliert werden – keine Selbstverständlichkeit in südlichen Hotels! Das Essen ist ausgezeichnet, und wer es gerne schärfer hat, kann sich in der arabischen Ecke und aus den Tontöpfen mit diversen Gewürzen und Ölen bedienen.hotel-zimmer-blick1

Doch wer reist schon wegen des Essens ans Rote Meer? Der wahre Star ist das Wasser selbst. Wer will, kann im kuschelwarmen Poolwasser starten – dank einer Entsalzungsanlage gönnt man sich hier den Luxus eines Süßwasserbades. Früher oder später jedoch erliegt jeder dem Charme und der Faszination der Unterwasserwelt von Marsa Alam. Zwei Wege gibt es, diese in der Coraya Bay zu erkunden. Der erste führt an den Sandstrand, von dem aus man hunderte Meter weit durch seichtes Wasser waten kann, wobei die ersten kleineren Fische einem schon um die Füße flitzen. Wem das zu lange dauert, der lässt sich am weiter draußen gelegenen Steg ins Wasser plumpsen – Taucherbrille, Schnorchel und Flossen sind Pflicht, um die ganze Schönheit des Riffs zu erkunden.

Wer das erste Mal das Rote Meer erschnorchelt, hat das Gefühl, in ein Aquarium zu fallen. Bizarre Korallenformationen ragen meterweit vor dem Besucher auf, dazwischen tummeln sich die verschiedensten Fische – neugierige Papageienfische, Drückerfische, kleine Barrakudas, Blaupunktrochen, Fischschulen und – mit etwas Glück – eine echte Karettschildkröte, die elegant durchs 26 Grad warme Wasser gleitet, um an der Oberfläche Luft zu holen.

Wem es nicht reicht, den Artenreichtum des Roten Meeres via Schnorchel zu erkunden, taucht ganz einfach ab. Das Tauchcenter „Coraya Divers“ liegt zwischen den Hotels und steht unter deutscher Leitung. Täglich werden mehrere Tauchangebote für jeden Kenntnisstand angeboten. Ob Schnupper-, Anfänger- oder Fresh-up-Kurs, ob Hausrifftauchen oder Ausflug mittels Speedboat oder Tauchboot ab Port Ghalib: Hier kommt jeder auf seine Kosten. Die Organisation und der technische Zustand des Leihequipments ist top; lediglich bei den Kosten müssen wir etwas schlucken. Qualität hat halt ihren Preis – auch in Ägypten.

Nach vier Jahren Tauch-Abstinenz bringt uns Tauchguide Valentina aus Italien wieder auf den notwendigen Kenntnisstand, um gefahrlos abtauchen zu können. Bei einem ersten Tauchgang an der südlichen Riffkante entlang entdecken wir entzückt drei junge Napoleonfische, doch auch sonst hat das Hausriff viel zu bieten. Dennoch zieht es uns am übernächsten Tag weg von der Coraya Bay. Mit dem Bus geht es nach Port Ghalib, wo unsere Ausrüstung auf die „Seafun“ geladen wird. Mit dem Schiff geht es ein Viertelstündchen Richtung Süden zum Riff „Umm Elros“. Dort teilen sich Taucher und Schnorchler in verschiedene Gruppen. Dieses Mal haben die Schnorchler mehr Glück: Sie begegnen einer Gruppe großer Schildkröten, die sich beobachten und fotografieren lassen.

Auch ein paar Taucher einer anderen Gruppe haben die Tiere entdeckt, das berichten uns die Schnorchler später. Entgegen der eisernen Regel, dass unter Wasser nichts angefasst werden darf, drehen sie eine der Schildkröten „in Position“, um ein schönes Bild zu erhalten. Es ist immer wieder frustrierend, wenn man erleben muss, mit welcher Respektlosigkeit vor der Natur manche Mitmenschen aus reinem Egoismus das Gleichgewicht der Unterwasserwelt stören! Schade, dass die gutmütigen Tiere nicht mal kurz an den Unbelehrbaren geknabbert haben…

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Beim Dive-Spot „Shura“, der rund 40 Minuten Schiffsfahrt von Port Ghalib entfernt liegt, entdeckt ein Mittaucher eine große Riesenmuräne, die träge in der Riffwand hängt und darauf wartet, dass ihr Futter in Form von kleinen Fischen ins Maul schwimmt. Doch die Freude dauert nur kurz an. Schon wenige Minuten später schwimmt einige Meter unter uns eine fremde Tauchergruppe vorbei. Zwei der Gesellen veranstalten ein fragwürdiges Foto-Spektakel: Taucher 1 kniet sich mit einer zerfledderten Zeitung auf den Sandboden, während Taucher 2 sich mit der Kamera in Position bringt, wobei er rücksichtslos mit einem Knie den Korallenblock unter ihm schrammt. Frei nach dem Motto: Ich war ja schon hier, mir doch egal, was mit dem Riff passiert… Schade, dass man solchen Gesellen nicht an Ort und Stelle die Tauchlizenz entziehen kann!

Da man sich aber nicht den ganzen Tag nur mit Tauchen und Schnorcheln beschäftigen kann, sucht sich der Rote-Meer-Tourist natürlich auch noch andere Beschäftigungen. Zum Beispiel Wasserball spielen im Hotelpool. Weniger gefragt ist Step-Aerobic in der 35 Grad warmen Luft, doch zum Zumba unter freiem Himmel finden sich ein paar Damen, die sich zusätzlich ins Schwitzen bringen wollen (ich gehöre allerdings nicht dazu). Am Strand gibt es Boccia-Felder, auch Tennis könnte man spielen, wenn man wollte. Oder den dem Madinat angegliederten Wasserpark besuchen. Dort warten sechs große Rutschen auf unternehmungslustige Urlauber. Abends gibt es Live-Musik auf der Terrasse, eine Bühnenshow des Animationsteams und gelegentlich Disco für die jüngeren Semester. Ach ja – Fußball gab es auch: Das Champions-League-Finale live im Innenhof des Nachbarhotels, unter freiem Himmel und bei freien Drinks. Dort versammelten sich mehrere hundert Fußballfans und -interessierte, um zu jubeln und zu jammern. Die Jubler waren in der Überzahl – Bayern hat Schulferien.

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Nur rund sieben Kilometer von der Coraya Bay entfernt ist in den vergangenen Jahren eine künstliche Stadt auf dem Wüstenboden gewachsen: Port Ghalib, eine Mischung aus Feriensiedlung und orientalischem Traum, wurde ebenfallls von der „M.A. Kharafi Group“ aus Kuweit aus dem Boden gestampft, ein Projekt, das den Touristenboom in der Region voranbringen soll. Rund 1000 Yachten finden in der großzügigen Marina Platz; der Ort hat sich seit seiner Eröffnung vor acht Jahren zu einem Dreh- und Angelpunkt für Tauchsafaris entwickelt. Am Abend tobt rund um den Hafen das Leben. Hier wird Kaffee getrunken und Shisha geraucht, und eine Straßenfront weiter kann im Basar der Stadt gehandelt werden. Zahlreiche Hotels und Ferienresidenzen laden zum Aufenthalt ein – die Coraya Bay ist uns dennoch lieber als das Prestige-Objekt mit seiner eindrucksvollen Architektur.

Eine Woche Ägypten: Entspannung und Erlebnis pur. Am Tag unserer Abreise gleiten wir noch einmal mit dem Schnorchel am Hausriff entlang. Eine hübsche Karettschildkröte schwebt vor uns aus der Tiefe auf, dreht langsam ab, nur um einige Minuten später plötzlich wieder neben uns zu schwimmen. Eine schönere Verabschiedung kann man sich nicht wünschen. Rund neun Stunden später steigen wir in Stuttgart aus dem Flieger. Das Thermometer zeigt drei Grad, es regnet in Strömen. Für einen kurzen Moment möchten wir umdrehen und zurückfliegen. Unser Flugbegleiter lächelt milde: „Tut mir leid, das war der letzte Flug für heute…“

Mit Gottvertrauen durch die Welt

14 Apr

SANTA CRUZ – Nächtelang im Bus, verzweifelte Suche nach einer Unterkunft, die bezahlbar ist und trotzdem über fließend Wasser verfügt, stundenlanges Warten… so sieht Annetts Reise durch Bolivien aus. Wo andere Menschen im sogenannten „mittleren Alter“ zwei Wochen im All-inclusive-Bunker irgendwo in der Karibik buchen und schon genervt sind, wenn die Handtücher mal nicht gewechselt werden oder die Auswahl am kalten Büfett zu klein ist, wuchtet Annett ihren Rucksack an den Straßenrand und wartet, ob sich ein Autofahrer erbarmt.

Seit acht Monaten ist Annett unterwegs. Die im thüringischen Greiz geborene Pädagogin hat sich mit ihrer Reise um die Welt einen Lebenstraum erfüllt. „Als mein Sohn vier Jahre alt war, habe ich mir gesagt: Wenn er auf eigenen Füßen steht, mache ich eine Weltreise.“ Seitdem hat Annett gespart – im September 2012 war es dann soweit: Die Mittvierzigerin gab ihre Arbeit in einer Kinderkrippe auf, verkaufte das Auto, das meiste vom Hausrat, löste ihre Wohnung auf – und brach auf.

Ausgangspunkt ihrer Reise war Brasilien, dann ging es weiter nach Paraguay, auf die Osterinsel und in die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia in Argentinien. „Von dort bin ich 12.000 Kilometer an den Anden entlang getrampt und habe elfmal die Grenze gewechselt“, erzählt die Weltenbummlerin. „Ich lebe aus dem Rucksack.“ Mit ihrem Sohn zusammen hat sie schon in den Jahren zuvor immer wieder Reisen in fremde Länder unternommen, da sie sich für andere Kulturen, die Natur und Lebensweise anderer Völker interessiert. „Wir in der angeblich zivilisierten Welt haben uns mit Selbstverständlichkeit an Luxus gewöhnt, der uns auch nicht glücklicher macht. Menschen mit weniger Lebensstandard haben sich oft trotz allem ihre Lebensfreunde erhalten“, das hat Annett in den vergangenen Monaten erfahren. Auf ihrer Reise vertraut sie auf Gott. „Er leitet mich, führt mich und gibt mir die richtigen Inspirationen“, dessen ist sie sich sicher.

Nun also Bolivien. Bauchkrämpfe, verheerende hygienische Zustände und „fließend Wasser“ in Form von undichten Dächern, ein nasser Schlafsack und Armut allerorten – Bettler, Verstümmelte, Kranke, die Passanten auf dem Weg zur Kirche um Spenden bitten und die „reiche“ Touristin aus Deutschland beschimpfen, wenn sie ihnen kein Geld gibt.

Ich kann sie nicht retten, schon gar nicht bewahren vor ihrem Schicksal. das steht nicht in meiner Macht“, sagt Annett. „Es sind außerdem zu viele. Die Cleveren verkaufen kleine, aus Palmblättern gebastelte Kreuze und Blumenkränze; sie musizieren, malen, putzen Schuhe oder Autoscheiben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“ Das findet die Mittvierzigerin gut. „Die nehmen die Verantwortung für ihr Leben in die eigenen Hände und tun etwas, aber die Bettler scheinen das nicht zu begreifen. Die wählen den einfachen Weg, geben die Verantwortung ab und ich als „Reicher“ muss mich auch noch vor ihren Flüchen und Beschimpfungen schützen, weil ich ihnen kein Geld gebe.“

Annett möchte einen anderen Beitrag für dieses arme Land leisten, einen bedeutungsvolleren. „Man muss bei den Kindern anfangen, um eine Gesellschaft zu ändern“, davon ist sie überzeugt. „Ich weiß von zwei Leuten aus Saalfeld, die um die Welt geradelt sind, die unterstützten ein Kinderheim in Santa Cruz“, erzählt sie. Dort will Annett arbeiten, doch ihr Weg führt sie an einen anderen Platz.

Durch Zufall lernt sie bei einem Ausflug eine Schweizerin kennen, die ebenfalls in einem Waisenhaus in Santa Cruz arbeitet. Auf dem Weg  dorthin verirrt sich Annett in der Stadt – und landet schließlich im „Aldea de ninos Padre Alfredo“, einer Art Kinderdorf, in dem je acht bis zwölf Kinder in einem Haus leben. „1972 entstand durch den österreichischen katholischen Pater Alfred das erste Padre-Alfredo-Kinderhaus“, erzählt die deutsche Weltenbummlerin. Es seien vor allem misshandelte, verlassene und verwaiste Kinder, die hier aufgenommen werden – oder solche, deren Eltern wegen Drogenhandels im Gefängnis sitzen.

Seit einigen Tagen nun arbeitet Annett im Kinderdorf. „Ich putze die Zimmer, koche, spiele und mache Blödsinn mit den Vier- bis 13-Jährigen. Die Kleinste ist mir gleich um den Hals gefallen und hat mich seitdem nicht mehr aus den Augen gelassen.“ Allerdings ist die Verständigung recht schwierig, denn Annetts „Reisespanisch“ reicht nicht aus, um alles zu erklären und zu verstehen. „Die Kinder haben haben aber große Geduld mit mir, erklären und zeigen mir alles.“ Fröhlich seien die Kleinen, aufgeschlossen, fröhlich und fleißig. Im Kinderdorf werden alle mit in die tägliche Arbeit eingebunden, sei es Brot backen oder beim Putzen helfen.

Doch es fehlt an vielem: In der Küche steht kein Tisch; gegessen wird in „Schichten“, weil nicht genug Geschirr da ist. Die gemeinsame Mahlzeit mit allen Kindern fehlt Annett, ebenso profane Dinge wie Wischtücher und Lappen. „Es gibt nur löchrige Lappen, eine Kehrschaufel existiert auch nicht.“ Es fehlt an tausend kleineren und größeren Dingen, die die Arbeit in hygienischer Hinsicht erleichtern. So ist es kein Wunder, dass „Einkaufen“ als erstes auf Annetts „To-do-Liste“ steht.

Die Matratzen? Alt und dreckig. Waschmaschine? Nicht vorhanden. „Da haben wir in Deutschland wirklich ideale Bedingungen zur optimalen Entwicklung unserer Kinder“ – das hat Annett schnell erkannt. Gerne hilft sie eine Zeitlang mit, engagiert sich für die Kleinen in Santa Cruz.

Doch bald schon geht die Reise für Annett weiter. Noch hat sie nicht alles von Südamerika gesehen; insgesamt will sie ein Jahr hier verbringen. Anschließend geht es weiter nach Mittel- und dann Nordamerika. Auch Australien, Neuseeland und zum Abschluss Asien stehen noch auf der Wunschliste. Vier Jahre soll die Reise insgesamt dauern. „Wenn das Geld früher alle ist, muss ich eher wieder zurück“, das ist Annett bewusst. „Wenn ich zurückkomme, muss ich von vorn beginnen.“ Angst vor dem Neuanfang hat sie aber nicht: „Ich habe großes Gottvertrauen und weiß, dass alle Probleme lösbar sind – es geht immer weiter!“ 

Wer Kontakt mit Annett aufnehmen oder direkt helfen möchte, kann sich mit ihr über Facebook in Verbindung setzen: https://www.facebook.com/#!/annett.wagner.353?fref=ts

Annett mit zwei von ihren Schützlingen

Meeting James Cameron

1 Sept

Eigentlich beteilige ich mich nie an Gewinnspielen. Das mal vorab. So war es irgendwie wohl „dieses Bauchgefühl“, das mich dazu verleitet hat, vor einigen Tagen eine Ausnahme von der Regel zu machen, ein kleines Quiz zu beantworten und ein Lösungswort an eine mir fremde E-Mail-Adresse zu schicken.

Die Antwort folgt prompt. Gerade sind wir von einem zweitägigen Kurztrip ins Hessische heimgekehrt, haben die Koffer auf den Boden und uns selbst aufs Sofa geschmissen, da ereilt uns die Nachricht: Sie haben gewonnen! Ja, was denn? Kann doch gar nicht sein… ein Schuss, ein Treffer? Doch, doch, versichert die freundliche Dame am Telefon, stimmt schon. Zwei Tage Belfast mit Flug, Hotel und Stadtführung. Und – ja, jetzt kommt’s – einem Treffen mit dem wohl erfolgreichsten Regisseur aller Zeiten: James Cameron. Im Doppelpack mit Jon Landau. Sagen Sie jetzt nicht, die beiden kennen Sie nicht. Avatar, Titanic, Terminator… all diese Geschichten haben die Herren aus Amerika perfekt in Szene gesetzt. Und nun werde ich sie live und in Farbe erleben.

Begleiten wird mich übrigens mein Sohn, denn zur Neuauflage von Camerons Werk „Titanic“ (ab 24. September auch in 3D) will man der generationenübergreifenden Faszination des Schiffsuntergangsdramas auf die Schliche kommen. Sollte ich die Gelegenheit erhalten, würde ich mich natürlich gerne ein wenig mit den Herren unterhalten. Allein, Zeit tut Not… schon am Mittwoch geht es los. Saubere journalistische Vorbereitung ist da schwierig, obwohl ich innerhalb von zehn Minuten vermutlich einen Fragenkatalog aus dem Ärmel schütteln könnte, der für ein Zwei-Stunden-Gespräch reichen würde. Vermutlich jedoch müssen wir uns schon glücklich schätzen, wenn es für ein „Nice to meet you“, Shake Hands und ein Bildchen reicht. Apropos Bildchen: Leider dürfte es in Anbetracht der verbleibenden Zeitspanne utopisch sein, noch auf die Schnelle mindestens zehn Kilo abzunehmen. Ich stelle mich im Fall des Falles also lieber näher zu Mr. Landau, neben dem seh ich nicht ganz so breit aus…

Während ich mich also mit Gesprächsstoff und Figurproblemen herumschlage, kommentiert mein Filius die Reise mit den Worten: „Ich muss dringend nochmal einkaufen gehen…“ Hmmm… wäre das nicht eigentlich mein Part als Dame gewesen???